Warum rechtsextreme Bewegungen wie die AfD vom Misstrauen profitieren
Charlotte SimonWarum rechtsextreme Bewegungen wie die AfD vom Misstrauen profitieren
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum rechtsextreme Bewegungen wie die Alternative für Deutschland (AfD) Zulauf erhalten. In seinem neuesten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen das Vertrauen in Institutionen verlieren und warum populistische Strategien dabei florieren. Seine Forschung stellt zudem infrage, ob die Entlarvung solcher Gruppen als unfähig ihren Einfluss tatsächlich zurückdrängen kann.
El-Mafaalanis Arbeit konzentriert sich auf den Vertrauensverlust in staatliche Einrichtungen, Gerichte, Wissenschaft und Medien. Er argumentiert, dass digitale Plattformen diesen Trend seit den 2010er-Jahren beschleunigt haben. Online-Räume ermöglichen es isolierten Skeptikern, sich zu vernetzen und sogenannte "Gemeinschaften des Misstrauens" zu bilden – Gruppen, die nicht durch gemeinsame Überzeugungen, sondern durch ein gegenseitiges Misstrauen gegenüber etablierten Systemen verbunden sind.
Diese Netzwerke basieren allein auf Misstrauen, nicht auf Fachwissen oder Beweisen. Ihre Mitglieder vertrauen einander ausschließlich, weil sie die etablierten Institutionen ablehnen. Laut El-Mafaalani hat diese Dynamik den Aufstieg von Bewegungen wie der AfD befeuert, die öffentliche Skepsis gezielt ausnutzen und vertiefen.
Der Soziologe warnt, dass selbst dann, wenn die AfD ihre Versprechen nicht einlöst, ihre Anhänger kaum in die demokratische Mitte zurückkehren werden. Er verwirft auch die Vorstellung, dass die Bloßstellung der Inkompetenz der Partei deren Anziehungskraft schwächen würde. Stattdessen plädiert er für wirksamere Strategien, um der Erosion des Vertrauens in demokratische Strukturen entgegenzuwirken.
El-Mafaalanis Analyse zeigt die Herausforderungen auf, die mit dem Wiederaufbau von Institutionenvertrauen einhergehen, sobald sich Misstrauen erst einmal festgesetzt hat. Seine Erkenntnisse legen nahe, dass herkömmliche Ansätze – etwa die Widerlegung populistischer Behauptungen – nicht mehr ausreichen. Das Buch bietet einen analytischen Rahmen, um zu verstehen, wie digitale Vernetzung politisches Engagement und Polarisierung neu geformt hat.






