Zwei Schauspielerinnen, eine Leidenschaft: Wie Mutter und Tochter die Wiener Bühne prägen
Charlotte SimonZwei Schauspielerinnen, eine Leidenschaft: Wie Mutter und Tochter die Wiener Bühne prägen
Zwei Generationen österreichischer Schauspielerinnen prägen derzeit die Wiener Theaterszene. Die Bühnenveteranin Maria Happel bereitet sich auf die österreichische Erstaufführung von Der heilige Falstaff am Burgtheater vor. Unterdessen probt ihre Tochter Paula Nocker für Mythen des Alltags, eine Koproduktion des Volkstheaters mit den Wiener Festwochen.
Beide Frauen begannen früh mit der Schauspielerei – Happel stand bereits mit acht Jahren unter der Regie ihrer Mutter auf der Bühne. Maria Happel hat mehr als die Hälfte ihres Lebens in Wien verbracht und bezeichnet die Stadt als ihre Heimat. Gemeinsam mit ihren Töchtern lebt sie in kleinen Wohnungen im selben Stockwerk, eng verbunden als Nachbarinnen. Aktuell befindet sie sich in den letzten Proben für Der heilige Falstaff, eine Inszenierung, die von Shakespeares Heinrich IV. inspiriert ist.
Ihre Karriere war von Höhen und Rückschlägen geprägt. Nach einem Ausflug aus dem Burgtheater, um sich auf ihre Rolle als Direktorin des Reinhardt Seminars zu konzentrieren, erhielt sie nie wieder die Chance, in diese Position zurückzukehren. Offener spricht sie auch über ihre Haltung zum Feminismus, den sie als irreführend bezeichnet, wenn Frauen in traditionelle Männerrollen gedrängt werden, statt eigene Wege zu definieren.
Paula Nocker, die in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt, probt derzeit für Mythen des Alltags. Wie ihre Mutter begann sie jung zu spielen und ist überzeugt, dass jede Kritik wertvoll ist – solange sie respektvoll bleibt. Nockers Umgang mit Kritik unterscheidet sich von dem ihrer Mutter: Während Happel Rezensionen selektiv liest, Lob annimmt, aber negative Rückmeldungen so leicht abtut wie ein schlechtes Horoskop, sieht Nocker in jeder Äußerung einen möglichen Lernprozess.
Die beiden Schauspielerinnen stehen für unterschiedliche Phasen eines künstlerischen Werdegangs, doch beide sind tief mit der Wiener Theaterwelt verbunden. Happels Der heilige Falstaff markiert eine bedeutende Premiere, während Nockers Mitwirkung in Mythen des Alltags das künstlerische Erbe der Familie fortsetzt. Ihre Karrieren spiegeln dabei sowohl gemeinsame Wurzeln als auch individuelle Perspektiven auf Kunst und Kritik wider.






