Willichs umstrittenes Wohnprojekt: 200 neue Wohnungen vs. Naturschutz und Anwohnerproteste
Moritz NeumannWillichs umstrittenes Wohnprojekt: 200 neue Wohnungen vs. Naturschutz und Anwohnerproteste
Willich treibt ein großes Wohnbauprojekt voran, um den dringenden Bedarf an Wohnraum zu decken. Die Stadt plant die Bebauung des 2,9 Hektar großen Geländes Moltkedorf, zu dem derzeit auch ein Grünstreifen an der Moltkestraße 31–35 gehört. Doch Anwohner äußern massive Bedenken wegen der Auswirkungen auf Tierwelt, Verkehr und ihre Lebensqualität.
Der erste Entwurf sieht 200 neue Wohneinheiten vor – von Einfamilienhäusern bis zu mehrgeschossigen Wohnanlagen. Während die Stadt damit die Wohnungsnot lindern will, fürchten Nachbarn den Verlust von Grünflächen und eine verdichtete Bebauung in unmittelbarer Nähe zu ihren Gärten.
Das Moltkedorf-Gelände grenzt an drei geschützte Naturbereiche: den 15 Hektar großen Naturpark am Schützenberg, ein nach FFH-Richtlinie ausgewiesenes Natura-2000-Gebiet, das 8 Hektar große Niersufer als Landschaftsschutzgebiet sowie 25 Hektar artenreiche Wiesen und Felder. Diese Flächen stehen unter rechtlichem Schutz – gemäß § 22 BauGB, den Naturschutzgesetzen NRWs und dem Willicher Flächennutzungsplan von 2020, der die Biodiversität priorisiert.
Anwohner betonen, dass der Grünstreifen an der Moltkestraße 31–35 ein wichtiger Lebensraum für Tiere und ein natürlicher Puffer sei. Er verbessere die Luftzirkulation, nehme Regenwasser auf und fördere die lokale Artenvielfalt. Viele befürchten, dass viergeschossige Neubauten eine überdimensionale Barriere bilden, benachbarte Kleingärten beschatten und die grüne Sichtachse zerstören würden.
Der städtische Planungsentwurf sieht eine hoffartige Bebauung mit gemeinsamen Grünflächen vor. Die Zufahrt erfolgt über die Moltkestraße, wobei eine Einbahnstraßen-Schleife alle Wohneinheiten verbinden soll. Parkplätze sind als oberirdische Stellflächen, Garagen und möglicherweise eine Tiefgarage vorgesehen. Fuß- und Radwege sollen die Krusestraße mit An Liffersmühle verbinden; die bestehende Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände soll bis Jahresende geschlossen werden.
Anwohner sorgen sich zudem um steigenden Verkehr, begrenzte Parkmöglichkeiten und die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge. Sie hinterfragen, ob die Infrastruktur Starkregen standhält oder klimagerechte Anpassungen ermöglicht. Die Stadt hat weitere Bürgerbeteiligungen angekündigt – beginnend mit der Investorensuche und Ausschreibungen, gefolgt von einer überarbeiteten Planpräsentation für zusätzliches Feedback.
Das Moltkedorf-Projekt soll 200 neue Wohnungen in einer Stadt mit angespanntem Wohnungsmarkt schaffen. Doch der Plan muss Entwicklung mit ökologischen und sozialen Belangen in Einklang bringen. Die nächsten Schritte umfassen die Auswahl von Investoren, Planoptimierungen und eine weitere Anhörungsrunde, bevor endgültige Entscheidungen fallen.






