Warum deutsche Proteste so diszipliniert bleiben – und was Frankreich anders macht
Admin UserWarum deutsche Proteste so diszipliniert bleiben – und was Frankreich anders macht
Deutsche, die jenseits der Wahlurne Gehör finden wollen, könnten zu lautstärkeren, störenderen Protestformen greifen – ganz anders als die hierzulande üblichen, angemeldeten und disziplinierten Kundgebungen. Währenddessen stehen die französischen Proteste mit ihrem chaotischen, leidenschaftlichen Geist in krassem Gegensatz zu den deutschen. Obwohl Deutschland Croissants und Wein importiert hat, blieb der revolutionäre Elan der Franzosen hierzulande ein Fremdwort.
Proteste in Frankreich sind eine alte Tradition, bei der sich kollektive Unzufriedenheit mit fast festlichen Elementen wie Musik und Tanz verbindet. Oft setzen die Demonstranten auf scharfe Karikaturen und derbe Parolen, um zu provozieren und zu eskalieren – alles Dinge, die man bei deutschen Protesten vergeblich sucht. Denn in Deutschland verlaufen Kundgebungen so diszipliniert wie das Klischee es vorgibt: Sie beginnen verspätet, weil die Eröffnungsreden kein Ende nehmen, und unterbrechen den Marsch immer wieder für weitere Ansprachen.
Selbst in Berlins hippen Vierteln, wo linke Aktivisten gegen Haushaltskrise und Gentrifizierung kämpfen, fehlt es an revolutionärem Feuer. Zwar gibt es genug Gründe und engagierte Menschen – doch die Demonstrationen bleiben ordentlich, fast schon zahm, weit entfernt von der französischen Leidenschaft.
Wer in Deutschland wirklich gehört werden will, könnte sich an Frankreichs ungestümen Protestkultur ein Beispiel nehmen. Zwar hat Deutschland französische Backwaren und Wein erfolgreich übernommen – doch der revolutionäre Geist bleibt ein Importgut, das hier nie recht ankommt. **Vorerst jedenfalls bleiben deutsche Proteste, was sie immer waren: geordnet, diszipliniert und ein Gegenentwurf zu den chaotischen, leidenschaftlichen Aufmärschen in Frankreich.