Verlage planen radikale Umstrukturierung des Presse-Grosso-Systems bis 2026
Felix SchneiderVerlage planen radikale Umstrukturierung des Presse-Grosso-Systems bis 2026
Große deutsche Verlage haben ihre Pläne zur Umgestaltung der Presseverteilung durch die Schaffung eines zentralen Großhändlers bekräftigt. Das FFF-Bündnis, zu dem Axel Springer, die Bauer Media Group und die Frankfurter Allgemeine Zeitung gehören, will bis Ende 2026 die derzeit 13 regionalen Großhändler durch eine einzige Organisation ersetzen. Der Vorstoß hat jedoch rechtliche Gegenwehr seitens der bestehenden Großhändler und Branchenverbände ausgelöst.
Das FFF-Bündnis strebt an, die Presse-Grosso-Allianz (PGA) als Hauptgroßhändler aufzubauen, unterstützt von vier sogenannten „Systempartnern“. Die Verlage argumentieren, dass dies die Kosten senken, die Handelsmargen stabilisieren und Prozesse vereinfachen werde – alles mit dem Ziel, die Medienvielfalt in Deutschland zu sichern.
Die Opposition formiert sich massiv: Die Unternehmen PDG und Lütkemeyer hatten einstweilige Verfügungen gegen die Kündigung ihrer Verträge beantragt, doch das Landgericht Dortmund wies die Anträge ab. Weitere Großhändler wie Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord haben ebenfalls Klage eingereicht, um die Entscheidungen der Verlage anzufechten.
Der Bundesverband Presse-Grosso verurteilte das Vorgehen der Verlage als koordinierten Versuch, einen unabhängigen Wirtschaftssektor zu zerschlagen. Der Verband setzt nun darauf, die Umstrukturierung bis Sommer 2023 auf juristischem Wege zu stoppen. Das Bundeskartellamt hingegen hat nach Anpassungen der ursprünglichen Pläne durch die Verlage bisher nicht eingriffen.
Trotz des rechtlichen Widerstands hält das FFF-Bündnis an seinen Umstrukturierungsplänen fest. Sollten die vorgeschlagenen Änderungen umgesetzt werden, könnte sich das Pressvertriebssystem in Deutschland bis Ende 2026 grundlegend wandeln. Gerichte und Aufsichtsbehörden werden eine entscheidende Rolle dabei spielen, ob die Reform tatsächlich vorankommt.
