Solingen streitet über Obdachlosenhilfe: Grüne vs. CDU mit gegensätzlichen Konzepten
Moritz NeumannSolingen streitet über Obdachlosenhilfe: Grüne vs. CDU mit gegensätzlichen Konzepten
In Solingen entzündet sich eine politische Debatte über die Unterstützung von Obdachlosen. Die Grünen fordern eine Ausweitung der Hilfsangebote durch einen Prüfantrag, während eine von der CDU angeführte Initiative für strenge Regeln für das Campen in städtischen Bereichen plädiert. Beide Seiten sind sich zwar über die Verbesserung der Dienstleistungen einig, gehen jedoch in Fragen der Umsetzung und Finanzierung deutlich auseinander.
Die Grünen setzen sich für langfristige Lösungen ein, die von Obdachlosen selbst mitgestaltet werden. Die CDU und das Bündnis Solingen.Zukunft hingegen schlagen vor, das Campen in Unterführungen zu verbieten, während gleichzeitig der Zugang zu Notunterkünften – auch für Menschen mit Haustieren – erleichtert werden soll.
Die Grünen-Fraktion in Solingen hat einen Antrag eingebracht, der eine umfassende Überprüfung der Hilfsangebote für Obdachlose fordert. Ihr Vorschlag sieht eine systematische Bewertung der bestehenden Programme vor, mit besonderem Fokus auf partizipative Methoden. Die Partei besteht darauf, dass Obdachlose bei der Gestaltung künftiger Maßnahmen direkt mitreden müssen.
Kritiker monieren jedoch, dass die Grünen bisher keine konkreten Pläne vorgelegt haben, wie die erweiterten Dienstleistungen finanziert werden sollen. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt Solingen stellen sich Fragen nach der Umsetzbarkeit.
Parallel dazu haben CDU und die Initiative Solingen.Zukunft (SG Zukunft) einen gemeinsamen Antrag für den Stadtbezirk Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid ausgearbeitet. Der im Januar 2026 eingereichte Entwurf schlägt Änderungen der Straßenordnung vor, um das Campen in Tunneln und Unterführungen zu untersagen. Gleichzeitig soll die Verwaltung dazu verpflichtet werden, niedrigschwellige Hilfsangebote von Trägern wie der Caritas zu fördern und den Zugang zu Notunterkünften – insbesondere im Winter – zu verbessern.
Der von der CDU initiierte Antrag prüft zudem Möglichkeiten, wie Obdachlose ihre Hunde in die Unterkünfte mitbringen können, um eine häufige Hürde bei der Unterbringung abzubauen. Als Finanzierungsoption wird das Housing-First-Programm in Betracht gezogen. Der Vorschlag wird in den kommenden Sitzungen der Bezirksvertretung beraten, bevor er gegebenenfalls dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt wird.
Die Grünen kritisieren den Fokus auf restriktive Maßnahmen und betonen, dass verantwortungsvolle Lösungen Wirksamkeit vor Verbote stellen müssten. Ihr Prüfantrag setzt auf nachhaltige Unterstützung statt auf kurzfristige Lösungen.
Die beiden Anträge spiegeln unterschiedliche Strategien im Umgang mit Obdachlosigkeit in Solingen wider: Während die Grünen auf langfristige, partizipative Reformen setzen, sehen sie sich mit haushaltspolitischen Herausforderungen konfrontiert, kombinieren CDU und Solingen.Zukunft strengere Vorschriften mit praktischen Hilfsmaßnahmen – etwa durch tierfreundliche Notunterkünfte.
Beide Vorlagen werden in den kommenden kommunalpolitischen Gremien weiter diskutiert. Sollte der CDU-Antrag angenommen werden, wäre für die Umsetzung zusätzlich die Zustimmung des Stadtrats erforderlich.