Rekordbesuch beim Theaterfestival – trotz polarisierender Inszenierungen unter Milo Rau
Noah MayerRekordbesuch beim Theaterfestival – trotz polarisierender Inszenierungen unter Milo Rau
In diesem Jahr lockte das Festival fast 196.000 Besucher:innen an und stellte damit einen neuen Besucherrekord auf. Doch Berichten zufolge sank die Auslastung der Veranstaltungen, seit Milo Rau die künstlerische Leitung übernommen hat.
Rau gab sich selbstbewusst und bezeichnete seine Inszenierung als das „größte Theaterstück aller Zeiten“. Sein gesellschaftspolitischer Einfluss wuchs, nachdem er mit selbsternannten Propheten wie Peter Thiel und Braco in Kontroversen geraten war. Sein eigenes Stück „Republik der Götter“ lief fünf Wochen lang und löste eine breite Debatte aus.
Die anderen Produktionen wurden unterschiedlich aufgenommen: Susanne Kennedys „Parsifal“ litt unter den überwältigenden digitalen Effekten von Markus Selg. Nestervals Interpretation der Nibelungensaga überzeugte nicht, während „Das tragische Schicksal der Sonata Nr. 2“ als trockener Vortrag kritisiert wurde. Dagegen stach „Turn“ des Gob Squad als interaktive Erkundung des Doppelgängermotivs hervor – sogar mit Publikum als Puppenspieler:innen.
Einige Inszenierungen ernteten jedoch große Anerkennung: Angélica Liddells „Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben“ gehörte zu den Höhepunkten. Florentina Holzingers „Pfingstspiel“ bot eine spektakuläre Stuntshow mit einem im Kreis driftenden BMW. Brigitta Muntendorfs „Der Tag davor“ präsentierte ein kraftvolles Manifest gegen Gewalt, und Thorsten Lensings „Tanzende Idioten“ wurde begeistert gefeiert. Auch Patti Smith hatte bemerkenswerte Auftritte während des Festivals.
Trotz gemischter Kritiken an einigen Produktionen verzeichnete das Festival eine noch nie dagewesene Besucherzahl. Rau prägte die Veranstaltung mit kontroversen, aber ambitionierten künstlerischen Statements. Das Festival festigte damit seinen Ruf als bedeutende Kulturveranstaltung mit vielfältigen und oft provokativen Werken.






