"Radikale Freundlichkeit": Wie man Ärger in Dankbarkeit verwandelt – und warum Österreicher dafür 50 Wörter für "Idiot" brauchen
Moritz Neumann"Radikale Freundlichkeit": Wie man Ärger in Dankbarkeit verwandelt – und warum Österreicher dafür 50 Wörter für "Idiot" brauchen
Ein neues Buch mit dem Titel „Radikale Freundlichkeit“ schlägt vor, alltäglichen Ärger mit Wärme und Wertschätzung zu begegnen. Die Autorin möchte diese Haltung in ganz normalen Situationen anwenden – ob in überfüllten Bäckereien oder wenn der Parkplatz geklaut wurde.
Im Mittelpunkt der Botschaft steht der Gedanke, auf Nervensägen mit Dankbarkeit zu reagieren. Langsame Autofahrer auf österreichischen Autobahnen werden etwa scherzhaft mit koffeinfreien Getränken verglichen: Sie bringen ebenso wenig Schwung. Statt sich selbst zu kritisieren, will die Autorin künftig den Begriff „kognitiver Minimalist“ verwenden, wenn ihr Fehler unterlaufen.
Österreichs reicher Wortschatz verleiht dem Thema Frust zusätzliche Farbe. Einheimische kennen über 50 Ausdrücke für „Idiot“, etwa „Dodel“, „Wappler“ oder „Vollkoffer“. Fluchen wird spielerisch mit einer Energiequelle oder gar einer Form von Yoga verglichen. Zum Vergleich: Isländer verfügen bekanntlich über mehr als 50 Wörter für „Schnee“ – ein Beleg dafür, wie Sprache kulturelle Feinheiten einfängt.
Das Buch ermutigt zu kleinen Freundlichkeiten – gegenüber anderen und sich selbst. Indem man kleine Ärgernisse als Chancen für Dankbarkeit umdeutet, soll eine positivere Grundhaltung entstehen. Der Ansatz ist einfach, aber bewusst gewählt: Es geht um konkrete Handlungen, nicht um abstrakte Ideale.






