Neuss streitet um historische Betonbrücke: Denkmalschutz oder Radweg-Neubau?
Felix SchneiderNeuss streitet um historische Betonbrücke: Denkmalschutz oder Radweg-Neubau?
Eine historische Betonbrücke in Neuss steht im Mittelpunkt einer wachsenden Debatte. Das Bauwerk an der Ecke Nordkanalallee und Selikumer Straße besitzt kulturelle Bedeutung als eines der frühesten Betonwerke der Stadt. Die lokale Gruppierung jetzt! setzt sich dafür ein, die Brücke zu erhalten, statt sie durch einen Neubau für Radfahrer zu ersetzen.
Die Brücke überspannt den Nordkanal und wird derzeit von Fußgängern und Radfahrern genutzt. Entworfen wurde sie vom Architekten Klaus Rohlinger, einer prägenden Persönlichkeit in Neuss, und verkörpert den Ingenieurbau des frühen 20. Jahrhunderts. Rohlinger, der von 1904 bis 1929 Mitglied im Bund Deutscher Architekten war, schuf auch andere markante Gebäude der Stadt, darunter das ehemalige Herz-Jesu-Kloster sowie die Häuser in der Liedmannstraße 14 und 16.
Die Gruppierung jetzt! lehnt Pläne ab, die Brücke abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, der den Radverkehr beschleunigen soll. Mit dem Neubau wäre auch die Fällung eines alten Baumes am Standort verbunden. Kerstin Wilke, Geschäftsführerin der Gruppierung, befürwortet die Unterschutzstellung der Brücke als Baudenkmal. Michael Klinkicht, Fraktionsvorsitzender, betont Rohlingers Rolle bei der Gestaltung und fordert eine größere Würdigung seines Schaffens.
Die Gruppe schlägt vor, dass die Stadt einen Antrag auf offiziellen Denkmalschutz für die Brücke stellt. Zudem soll eine Informationstafel aufgestellt werden, um Rohlingers Beitrag zum architektonischen Erbe von Neuss zu ehren. Bei einer Unterschutzstellung bliebe die Brücke als funktionales und historisches Wahrzeichen erhalten. Im Kern der Debatte steht die Abwägung zwischen modernen Infrastrukturbedürfnissen und dem Erhalt der städtischen Vergangenheit. Der Vorschlag der Gruppierung könnte entscheiden, ob Brücke und Baum gerettet oder beseitigt werden.
