IW fordert EU-Handelsabkommen mit Golfstaaten trotz Nahost-Krise
Das Deutsche Wirtschaftsinstitut (IW) drängt die EU zu engeren Handelsbeziehungen mit den Golfstaaten. Trotz der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten argumentiert das IW, dass ein formelles Handelsabkommen klare wirtschaftliche Vorteile für beide Seiten bringen würde. Eine neue Studie unterstreicht veränderte Handelsströme und bisher ungenutzte Chancen.
Der Handel zwischen der EU und den Golfstaaten hat in den letzten zwei Jahrzehnten an Bedeutung verloren. Noch 2004 stammten 26 Prozent aller Importe der Region aus der EU – bis 2024 war dieser Anteil auf nur noch 18 Prozent gesunken. Gleichzeitig bauen die Golfstaaten ihre Handelsbeziehungen aktiv aus, wie die IW-Analyse zeigt.
Der Krieg im Nahen Osten hat die Energieinfrastruktur in der Golfregion schwer beschädigt, sodass mittelfristig umfangreiche Reparaturen nötig sind. Hier könnten deutsche Maschinen- und Anlagenbauer eine Schlüsselrolle übernehmen, indem sie spezialisierte Ausrüstung liefern. Deutschland exportiert bereits Fahrzeuge, Pharmaprodukte und Industrieanlagen in die Region.
Ein Handelsabkommen würde zudem neue Möglichkeiten für EU-Importe eröffnen. Die Golfstaaten könnten etwa kohlenstoffarmen Stahl und kostengünstigen Wasserstoff liefern – Rohstoffe, die zu den Klima- und Energiezielen Europas passen.
Die Empfehlungen des IW kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Golfstaaten ihre wirtschaftlichen Verbindungen über die traditionellen Partner hinaus ausbauen wollen. Ein Handelsdeal würde der EU den Zugang zu wichtigen Rohstoffen sichern und deutschen Unternehmen Aufträge im Wiederaufbau ermöglichen. Nun liegt es an den EU-Politikern, die nächsten Schritte zu prüfen.
