20 March 2026, 00:02

Geheimer Elite-Kongress: Wie Deutschlands Reiche ihren Einfluss sichern

Plakat mit einem Bild des Weißen Hauses und Text, der den Biden-Harris-Wirtschaftsplan als blue-collar-Blueprint für die Schaffung von gut bezahlten Jobs ohne vierjähriges Studium bewirbt.

Geheimer Elite-Kongress: Wie Deutschlands Reiche ihren Einfluss sichern

Seit fast 30 Jahren richtete die private Universität Witten/Herdecke den Familienunternehmer-Kongress aus – ein exklusives Treffen für wohlhabende Erben von Unternehmensdynastien. Beworben als Plattform für Innovation und verantwortungsvolles Unternehmertum, kostet die Teilnahme 2.000 Euro und bleibt der Öffentlichkeit verschlossen; zugelassen sind nur Mitglieder von unternehmerischen Familien. Hinter der Fassade dient der Kongress jedoch vor allem als Netzwerkveranstaltung für eine Wirtschaftselite, die ihren Reichtum und politischen Einfluss sichern will.

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Der Kongress gibt sich als Stimme des deutschen Mittelstands – jener mittelgroßen Betriebe, die oft als Rückgrat der Wirtschaft gelten. Doch Recherchen zeigen, dass viele Teilnehmer nicht aus kleinen Familienunternehmen, sondern aus Großkonzernen stammen. Zwar betonen die Veranstalter Themen wie langfristige Wettbewerbsfähigkeit, doch im Mittelpunkt steht die Absicherung von Vermögen vor Steuerlasten.

Eng verbunden ist die Veranstaltung mit der Stiftung Familienunternehmen, einer Organisation, die Forschung mit Lobbyarbeit verknüpft. Obwohl sie sich als Bildungsinstitution präsentiert, unterhält die Stiftung enge Kontakte zu wirtschaftsnahen Netzwerken. Ihr Einfluss in politischen Kreisen soll sogar den der Lobbygruppe Die Familienunternehmer übertreffen.

Dass die Universität Witten/Herdecke anthroposophische Wurzeln hat, hindert sie nicht daran, eine marktliberale Eliteveranstaltung auszurichten. Finanzielle Notwendigkeit spielt dabei eine entscheidende Rolle: Die Hochschule ist auf die Einnahmen des Kongresses angewiesen, obwohl es personelle Überschneidungen mit Lobbyorganisationen gibt. Zu den früheren Gästen zählten Persönlichkeiten wie Thomas Diehl und Maja C. Roch, doch welche Großverdiener oder Unternehmensdynastien das Treffen prägen, bleibt undurchsichtig – öffentliche Daten dazu fehlen.

Veranstaltungen wie die des Werbeagentur-Chefs Felix Cordova-Lehmann von steindesign unterstreichen die Exklusivität des Kongresses. Zwar werden auf dem Podium Unternehmertum und Innovation diskutiert, doch im Hintergrund geht es vor allem um das Knüpfen von Kontakten zwischen den Erben großer Vermögen.

Der Familienunternehmer-Kongress bleibt damit ein geschlossener Zirkel für die Wirtschaftselite, in dem Lobbying und Vermögenssicherung im Mittelpunkt stehen. Mit einer Teilnahmegebühr von 2.000 Euro und dem Ausschluss der Öffentlichkeit zementiert er die Verbindungen zwischen wirtschaftlicher Macht und politischem Einfluss. Die Beteiligung der Universität Witten/Herdecke zeigt dabei die finanziellen Abhängigkeiten – während der Kongress nach außen als Förderer des Mittelstands auftritt.

Quelle