"Die Parabel des Zorns": Ein radikales Körpertheater bei den Wiener Festwochen
Moritz Neumann"Die Parabel des Zorns": Ein radikales Körpertheater bei den Wiener Festwochen
Eine mutige Neuinszenierung: Die Parabel des Zorns feiert Premiere bei den Wiener Festwochen im Odeon
Die Aufführung Die Parabel des Zorns (La Parabole du Seum), inszeniert von Régisseurin Rébecca Chaillon, hatte ihre Uraufführung im Rahmen der Wiener Festwochen. Sieben Performende stellen darin gängige Körpernormen infrage und verbinden Theater, Satire und körperliche Erkundung zu einem fast dreistündigen Spektakel.
Der Abend beginnt mit Julie Teuf, die dem Publikum Butter verteilt – zum Kosten und für eine Verlosung. Damit setzt sie den Ton für die zentralen Themen des Abends. Die Gruppe, in buttergelbe Roben gehüllt, entledigt sich später ihrer Kleidung, stellt auf der Bühne selbst Butter her und taucht tief in die Symbolik von Fett ein.
Sie inszenieren Szenen aus The Biggest Loser nach, bedecken sich gegenseitig mit Gelee und wälzen sich auf dem Boden. In goldener Unterwäsche stürzen sich die Darsteller:innen in übertriebene Fressgelage, wickeln sich in Alufolie ein und posieren am Ende wie Bodybuilder:innen. Der Titel La Parabole du Seum spielt mit mehrdeutigen Bedeutungen: Parabel, Satellitenschüssel und im Französischen auch „Wut“ oder „Groll“.
Inspiriert ist die Produktion von Octavia Butlers Roman Parabel vom Sämann. Sie erkundet die „Magie des Glaubens“ und oszilliert zwischen einer Gemeinschaft des geteilten Leidens, einer Schar Überlebender und einer echten Band, die kraftvolle Auftritte liefert. Chaillon, die sich selbst als fett bezeichnet, nutzt das Stück, um das Verhältnis ihrer Community zu den eigenen Körpern zu reflektieren.
Mit Humor, körperlicher Radikalität und scharfer Gesellschaftskritik hinterlässt die Inszenierung ein sinnliches, eindringliches Erlebnis von Fett, Glauben und kollektiver Widerstandskraft. Eine markante Bereicherung für das diesjährige Festivalprogramm.






