06 January 2026, 08:05

Bremen feiert das skurrile Eiswette-Fest mit Grünkohl, Pinkel und einem mutigen Schneider

Eine Gruppe von Menschen in Jacken sitzt in einem blauen Boot auf einer welligen Weser, wobei der Mann in der Mitte das Boot mit zwei Stangen steuert.

Wette auf Kohl - Ist die Weser zugefroren? - Bremen feiert das skurrile Eiswette-Fest mit Grünkohl, Pinkel und einem mutigen Schneider

Jeden Januar findet in Bremen das Eiswette-Fest statt, eine alte Tradition, die bis ins Jahr 1829 zurückreicht. Rund 800 Gäste versammeln sich, um ein Mahl aus Grünkohl und Pinkel – einer typischen norddeutschen Wurst – zu genießen und gleichzeitig Spenden für die Seenotrettung zu sammeln. Im Mittelpunkt des Events steht ein ungewöhnlicher Test: ob die Weser so weit zugefroren ist, dass ein Schneider mit einem glühenden Bügeleisen in der Hand den Fluss überqueren kann.

Der Brauch begann, als 18 Kaufleute wetten, ob die Weser bis Anfang Januar zufrieren würde. Ihre Wette umfasste ein gemeinsames Essen aus Grünkohl und Wurst – ein Gericht, das bis heute fester Bestandteil des Festes ist. Mit der Zeit entwickelte sich das Ereignis zu einem öffentlichen Spektakel, bei dem ein Schauspieler die Rolle des Schneiders übernimmt.

Jährlich versucht der Schneider – dargestellt vom Schauspieler Klaus Havenstein – den Fluss mit dem Bügeleisen zu überqueren. Hält das Eis, gilt die Wette als gewonnen. Doch in der Praxis steigt der Schneider meist in ein Boot, was eine weitere Niederlage bedeutet. Vor dem Test wird der Schneider gewogen; nur wenn er exakt 45 Kilogramm (99 Pfund) auf die Waage bringt, gilt er als geeignet für die Herausforderung. Trotz des vorhersagbaren Ausgangs bleibt das Ritual lebendig und zieht Schaulustige an, die den Versuch des Schneiders verfolgen. Das Fest selbst ist ein Höhepunkt: Die Gäste speisen Grünkohl und Pinkel, während Spenden für die Seenotretter gesammelt werden.

Das Eiswette-Fest findet am dritten Samstag im Januar statt und verbindet Geschichte mit Gemeinschaftsgeist. Die Mischung aus Tradition, Wohltätigkeit und regionaler Küche macht es zu einem beliebten Teil des Bremer Winterkalenders. Die Spenden kommen direkt der Arbeit der Seenotretter zugute.