Apothekerkammer Nordrhein gerät wegen fragwürdiger Finanzen unter Druck
Charlotte SimonApothekerkammer Nordrhein gerät wegen fragwürdiger Finanzen unter Druck
Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) steht nach einem Gerichtsurteil, das übermäßige Rücklagen aufdeckte, unter finanzieller Beobachtung. Ein Anwalt, der mehr als 100 verärgerte Mitglieder vertritt, hat Bedenken wegen fehlender Gelder und fragwürdiger Ausgaben geäußert – und damit die Bühne für eine angespannte Mitgliederversammlung morgen in Neuss bereitet.
Der Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Bernhard Bellinger hatte als Erster Unregelmäßigkeiten in den Finanzen der Kammer beanstandet. Er stellte fest, dass eine 2020 verbuchte Festgeldanlage in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus den Unterlagen verschwand, um 2023 als Wertpapierdepot und Bankguthaben im Wert von 3 Millionen Euro wieder aufzutauchen. Als er um Aufklärung bat, antwortete die Kammer nur knapp und teilte mit, seine Anfrage werde geprüft.
Auch der Haushalt steht in der Kritik. Die Pläne für 2025 und 2026 sehen vor, der Kanzlei Luther 450.000 Euro für die Bearbeitung von Beitragsstreitigkeiten zu zahlen – eine Summe, die Bellinger infrage stellt. Er argumentiert, dass jede Pauschalvereinbarung mit der Kanzlei der Zustimmung der Mitgliederversammlung bedürfe, da Ausgaben den Haushaltsregeln und dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit entsprechen müssten.
Unterdessen hat die Kammer 2,3 Millionen Euro für Fassadensanierungen an ihrem Verwaltungsgebäude zurückgelegt. Davon sind bereits 550.000 Euro für 2025 vorgesehen, um Vorarbeiten für 2026 zu decken. Bellinger vermutet, dass der Haushalt 2025 nach einer Anordnung des Verwaltungsgerichts Düsseldorf angepasst wurde, um die Rücklagen zu verringern.
Mehr als 100 Mitglieder haben inzwischen Klage gegen ihre Beitragsbescheide eingereicht und verweisen dabei auf die Haushaltsprobleme. Angesichts der Anwesenheit der Kanzlei der Kammer dürfte die morgige Versammlung hitzig werden.
Der Druck auf die Kammer wächst, ihre finanziellen Entscheidungen zu erklären. Die Mitglieder fordern Transparenz bei der 1,5-Millionen-Diskrepanz und der Mittelverwendung. Das Ergebnis der Mitgliederversammlung könnte darüber entscheiden, wie die Organisation künftig mit diesen Vorwürfen umgeht.






