16 March 2026, 10:02

Antiziganismus in Deutschland: Hass gegen Sinti und Roma erreicht traurigen Rekord

Ein schwarzer Hintergrund mit fetter weißer Schrift, die den Satz "Es gibt keinen Platz in Amerika für Hass" zeigt, ein Zitat von Präsident Joe Biden.

Antiziganismus in Deutschland: Hass gegen Sinti und Roma erreicht traurigen Rekord

Deutschlands Kampf gegen Antiziganismus steht vor neuer Prüfung: Hassvorfälle nehmen dramatisch zu

Im vergangenen Jahr verzeichnete Deutschland einen Anstieg antiziganistischer Vorfälle um 30 Prozent – Teil eines breiteren Trends wachsender Feindseligkeit gegenüber Minderheiten. Unterdessen drängt Michael Brand, der Antiziganismus-Beauftragte der Bundesregierung, auf schärfere Maßnahmen: darunter ein möglicher Staatsvertrag mit Sinti- und Roma-Verbänden sowie eine historische Aufarbeitung der Diskriminierung nach 1945.

Brand übernahm das Amt des Beauftragten gegen Antiziganismus, nachdem öffentlicher Druck die Stelle dauerhaft verankert hatte. Seine Doppelfunktion als Parlamentarischer Staatssekretär schützte die Behörde zudem vor Kürzungen im aktuellen Haushalt. Drei Schwerpunkte prägen nun seine Arbeit: die Aufdeckung von Diskriminierungsfällen, die Unterstützung von Betroffenen und die Stärkung der Stimmen von Sinti und Roma.

Ein zentrales Vorhaben Brands ist eine von der Regierung getragene Untersuchung zur Behandlung von Sinti und Roma in der Nachkriegszeit. Zudem zeigt er sich offen für einen Staatsvertrag mit ihren Organisationen – ähnlich den bestehenden Abkommen mit dem Zentralrat der Juden. Allerdings betont er, dass die Einheit unter den Sinti- und Roma-Verbänden entscheidend sei, um einen solchen Vertrag noch in dieser Legislaturperiode abzuschließen.

Über die Politik hinaus setzt sich Brand für Polizeischulungen ein, um Fehlverhalten zu bekämpfen und die Zusammenarbeit zu verbessern. Doch die Herausforderungen bleiben groß: Nur 15 Prozent der Sinti und Roma erwerben das Abitur – weniger als die Hälfte des Bundesschnitts. Gleichzeitig hinkt die Dokumentation hinterher: Trotz des Amts des Beauftragten gibt es in den meisten Bundesländern keine offiziellen, unabhängigen Stellen zur Erfassung von Antiziganismus. Einzig Berlins Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) ist bekannt – doch ihre Unabhängigkeit und institutionelle Anbindung sind unklar.

Brand räumt die Komplexität des Themas ein und verweist auf Überschneidungen mit sozialen Problemen wie extremer Armut oder Sozialbetrug. Dennoch bleibt sein Fokus auf der Bekämpfung struktureller Diskriminierung und der Verbesserung der Lebensbedingungen der betroffenen Gemeinschaften.

Die Pläne des Beauftragten – von Polizeireformen bis zur historischen Aufarbeitung – zielen darauf ab, dem wachsenden Hass und langjährigen Ungleichheiten entgegenzutreten. Doch der Erfolg hängt von breiterer Zusammenarbeit ab: klarere Monitoring-Strukturen und eine Einigung unter den Sinti- und Roma-Vertretern sind unverzichtbar. Ohne sie könnte der Fortschritt im Kampf gegen Antiziganismus begrenzt bleiben.

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