Angélica Liddells provokante Mishima-Hommage feiert Uraufführung in Wien
Noah MayerAngélica Liddells provokante Mishima-Hommage feiert Uraufführung in Wien
Angélica Liddell präsentierte bei den Wiener Festwochen ihre neueste Performance Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben. Das Stück ist Teil des diesjährigen Festivalschwerpunkts Die Republik der Götter und befasst sich mit dem Leben und Tod von Menschen, die sich selbst das Leben nahmen – darunter der japanische Schriftsteller Yukio Mishima.
Die zweistündige Produktion beginnt mit einer Szene, in der Liddell und eine weitere Performerin sich auf der Bühne Blut abnehmen und es vermischen. Dieser eindringliche Moment gibt den Ton an für ein Werk, das Suizid durch Ritual, Leid und schwarzen Humor erkundet. Die Aufführung umfasst eine Nachstellung von Mishimas rituellem Selbstmord, inszeniert im Stil des Nō-Theaters.
Liddells Compagnie, Atra Bilis Teatro, sammelte für die Show Kleidungsstücke von Verstorbenen. Während der Performance trägt sie diese Gewänder, um den Schmerz derer zu verkörpern, die durch Suizid starben. Absurde Momente – etwa ein Bodybuilder, der zwischen sich entkleidenden jungen Männern posiert – durchbrechen die düstere Thematik.
Die Inszenierung steigert sich zu einem intensiven Höhepunkt, in dem Liddell eine ekstatische Verteidigung des Suizids vorträgt. Inspiriert wurde das Werk von ihren eigenen Erlebnissen: Am 7. Januar 2024 war sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau.
Die Performance konfrontiert das Publikum mit einer schonungslosen Auseinandersetzung mit Tod und Ritual. Indem Liddell persönliche Zeugenschaft mit theatralischer Nachstellung verbindet, entsteht eine provokante, zugleich tief künstlerische Interpretation von Mishimas Erbe und dem weiteren Thema der Selbstzerstörung.






