Willich schließt Kitas trotz Familienboom – Eltern sind frustriert
Felix SchneiderWillich schließt Kitas trotz Familienboom – Eltern sind frustriert
Nordliches Willich verzeichnet starken Zuwachs an jungen Familien – doch nun stehen Kita-Schließungen bevor
In den vergangenen fünf Jahren hat das nördliche Willich einen deutlichen Anstieg junger Familien erlebt. Mehr Geburten und neu zugezogene Einwohner ließen die Nachfrage nach Betreuungsplätzen um 15 bis 20 Prozent steigen – mit der Folge längerer Wartelisten und überfüllter Einrichtungen. Nun zwingen veränderte Geburtenraten und Haushaltsengpässe die Stadt, ihr Kinderbetreuungsangebot umzugestalten. Bis 2027 sind Schließungen und Verlegungen geplant.
Zwischen 2020 und 2025 zogen vor allem Stadtteile wie Anrath, Neersen und Scherpenberg vermehrt junge Familien an. Der plötzliche Zuzug belastete die lokalen Kita-Kapazitäten bis an die Grenzen, was zu provisorischen Erweiterungen und Frust bei den Eltern führte. Viele fühlen sich nun enttäuscht, da die Stadt ihre Pläne aufgrund finanzieller Grenzen und demografischer Veränderungen anpasst.
Die Kita Alperhof wird entgegen ursprünglicher Pläne nicht am bisherigen Standort neu gebaut. Stattdessen wird das bestehende Gebäude abgerissen und die Einrichtung in das generationenübergreifende Projekt Reinershof verlegt. Dort soll eine viergruppige Kita entstehen – allerdings ohne zusätzliche Baufördermittel.
Die Kita St. Irmgardis wird nach dem Kitajahr 2026/2027 geschlossen. Ihr Gebäude übernimmt anschließend die Villa Kunterbunt, die ihr Angebot ausweitet. Der Umzug ermöglicht es der Einrichtung, Ganztagsbetreuung und Mittagsverpflegung in modernisierten, größeren Räumlichkeiten anzubieten.
Weitere Änderungen betreffen das Ende des DRK-Brückenprojekts Schatzkiste zum 31. Juli 2026. Das von der AWO betriebene Blaue Haus in Schiefbahn erhält seine freiwillige Förderung noch bis zum 31. Juli 2027, doch seine Zukunft bleibt ungewiss. Stadtvertreter haben Gespräche über eine mögliche Schließung zu diesem Zeitpunkt anberaumt.
Trotz der aktuellen Engpässe rechnet Willich ab 2029 mit einem Überschuss von 440 Betreuungsplätzen. Sinkende Geburtenzahlen und verschobene Bevölkerungsströme bedeuten, dass in den kommenden Jahren weniger Kinder einen Platz benötigen werden.
Die Anpassungen der Stadt zielen darauf ab, knappe Haushalte und künftigen Bedarf in Einklang zu bringen. Bis 2027 werden einige Kitas schließen oder fusionieren, während andere in modernisierte Räume umziehen. Familien im nördlichen Willich müssen sich vorerst auf weniger lokale Angebote einstellen – bis der prognostizierte Überschuss die Situation entspannt.