Willich gedenkt NS-Opfern und warnt vor neuem Antisemitismus in bewegender Feier
Noah MayerWillich gedenkt NS-Opfern und warnt vor neuem Antisemitismus in bewegender Feier
Gedenkveranstaltung in Willich ehrt lokale Opfer der NS-Verfolgung und warnt vor modernem Antisemitismus
In Willich erinnerte eine Gedenkfeier an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aus der Region und setzte sich zugleich mit dem Erstarken des heutigen Antisemitismus auseinander. Organisiert von der Städtischen Musikschule Willich und der Robert-Schuman-Europaschule, versammelten sich Schülerinnen und Schüler, Politiker sowie religiöse Würdenträger. Die Redner warnten vor Gleichgültigkeit und riefen insbesondere junge Menschen dazu auf, gegen Hass Stellung zu beziehen.
Der Tag begann mit einem Gebetsgottesdienst in der Schneekapelle, geleitet vom Religionslehrer Pierre Hein. Er bezog sich in seiner Ansprache auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und verband dessen Botschaft der Nächstenliebe mit den Lehren aus der Shoah. Im Anschluss legten die Teilnehmenden Kränze am örtlichen Holocaust-Mahnmal nieder, bevor sich die Veranstaltung im Pädagogischen Zentrum der Schule mit Reden und einer Phase der Besinnung fortsetzte.
Zu den Gästen zählten Max Mamrotski von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und Willichs Bürgermeister Christian Pakusch. Mamrotski knüpfte an die Befreiung von Auschwitz-Birkenau 1945 an und verwies auf die heutige Zunahme antisemitischer Vorfälle. Er forderte die Jugendlichen auf, kritisch zu denken und Hass entschieden entgegenzutreten. Betont wurde, dass Intoleranz oft schleichend beginne, sich aber ausbreite, wenn sie unwidersprochen bleibe. Pakusch verurteilte rechtsextreme Versuche, die Gräueltaten des Holocaust zu verharmlosen, und äußerte Besorgnis über aktuelle politische Entwicklungen in den USA. Ein auf der Veranstaltung gezeigtes Transparent nannte einen ehemaligen Polizisten als willigen Helfer bei NS-Verbrechen. Gedenken wurde auch der lokalen Opfer gehalten: Rosetta und Albert Salm, Lina Wallach, der Familie Schönewald, Chaim Werner Rübsteck sowie Cäcilie Wolff. Ein musikalischer Höhepunkt war der Auftritt von Marc Riedl, der Bodo Wartkes Lied "Das Land, in dem ich leben will" vortrug.
Schulleiterin Andrea Großkraumbach unterstrich in ihrer Rede die Bedeutung von Bildung im Kampf gegen Rassismus und Feindseligkeit. Wertevermittlung sei entscheidend, um zu verhindern, dass sich Geschichte wiederholt. Die Veranstaltung endete mit Appellen zu Wachsamkeit und Solidarität angesichts wachsenden Extremismus. Die Jugendlichen wurden ermutigt, sich gegen Vorurteile zu erheben und einander beizustehen. Veranstalter und Redner betonten übereinstimmend, dass Erinnerung und Aufklärung die Grundpfeiler einer toleranten Zukunft seien.