Wie Sexpuppen Geschlechterbilder und Intimität neu definieren – eine kulturelle Analyse
Felix SchneiderWie Sexpuppen Geschlechterbilder und Intimität neu definieren – eine kulturelle Analyse
Kürzlich diskutierte die taz im Queer Talk die kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Sexpuppen. Moderiert von taz-Redakteur Jan Feddersen, stand die Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener im Mittelpunkt, die analysierte, wie diese Objekte Geschlechterverhältnisse und mediale Erzählungen prägen. Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit Queer Nations e.V., einer Berliner Initiative.
Susanne Regener, emeritierte Professorin für visuelle Kultur an der Universität Siegen, verfolgte die Geschichte humanoider Sexpuppen fast ein Jahrhundert zurück. Ihre Forschung zeigt, wie sich Marketingstrategien und Käuferinteraktionen parallel zum technologischen Fortschritt entwickelt haben.
Die globale Sexpuppen-Industrie hat sich in verschiedenen Regionen rasant ausgeweitet. In Japan erlebte der Markt seit den 1990er-Jahren einen Boom, angetrieben durch Einsamkeit und die Otaku-Kultur. Individuell anpassbare Silikonpuppen – vergleichbar mit der US-amerikanischen RealDoll – trieben den Marktwert bis in die 2020er-Jahre auf über 200 Millionen Dollar. In den USA förderten nach der Jahrtausendwende Online-Verkäufe und Innovationen wie KI oder TPE-Materialien das kommerzielle Wachstum, mit Unternehmen wie Abyss Creations als Branchenführern. Ethische Debatten begleiten die Entwicklung jedoch weiterhin.
In Europa vollzog sich in den 2010er-Jahren ein Wandel von Tabu zu Normalisierung, besonders in Deutschland und den Niederlanden. Sexpositive Bewegungen und Bordelle mit Puppen-Angeboten ließen den Markt bis Mitte der 2020er-Jahre auf über 100 Millionen Euro anwachsen. Hier steht oft Hyperrealismus und der Aspekt der Partnerschaft im Vordergrund – nicht nur die physische Nutzung.
Regeners aktuelle Arbeit geht über Sexpuppen hinaus: Sie erforscht auch True Crime, die Darstellung von Frauen in Medien, künstliche Intelligenz und die kulturelle Bedeutung der Hand. Bei der Diskussion hinterfragte sie, wie diese Puppen Vorstellungen von Intimität und Geschlechterdynamiken verändern könnten.
Die Veranstaltung beleuchtete das komplexe Zusammenspiel von Technologie, Kommerz und gesellschaftlichen Einstellungen zu Sexpuppen. Regeners Analyse unterstrich, wie ihre Darstellung in Medien und Werbung breitere Debatten über Beziehungen und Identität prägt. Der Talk war Teil der taz-Reihe, kuratiert von Feddersen, der beim Blatt Sonderprojekte und öffentliche Diskussionsformate verantwortet.






