Wie die Saublodere den Fasching mit ohrenbetäubenden Knallen prägt
Charlotte SimonStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Wie die Saublodere den Fasching mit ohrenbetäubenden Knallen prägt
In den schwäbisch-alemannischen Faschingsregionen Baden-Württembergs sorgt der Brauch der Saublodere noch immer für ohrenbetäubende Knalle bei den Feierlichkeiten. Diese Lärmmacher, hergestellt aus aufgeblasenen Schweineblasen, werden an Ochsen- oder Kuhschwänze gebunden und während der Umzüge mit Wucht auf den Boden geschlagen. Obwohl die Tradition tief in der Symbolik verwurzelt ist, greifen einige Zünfte aus praktischen Gründen zunehmend zu Rinderblasen.
Jede Saublodere beginnt als Schweineblase, die von örtlichen Metzgern bezogen wird. Vor der Verwendung werden die Blasen entleert, in Lake eingeweicht und sorgfältig auf Mängel untersucht. Nur die robustesten Exemplare – ohne Risse oder Schwachstellen – kommen in die engere Auswahl. Sobald sie als tauglich befunden werden, bläst man sie auf, traditionell mit dem Mund, auch wenn heute meist aus Effizienzgründen Druckluft zum Einsatz kommt.
Die aufgeblasene Blase wird anschließend an einen Hagenschwanz gebunden, einen Ochsen- oder Kuhschwanz oder die Geschlechtsteile des Tieres. Wird sie geschwungen und auf den Boden geknallt, entsteht ein scharfer, durchdringender Knall. Dieser plötzliche Lärm erschreckt oft die Zuschauer und trägt so zum lebhaften Chaos des Faschings bei.
Mit der Zeit sind einige Zünfte dazu übergegangen, stattdessen Rinderblasen zu verwenden. Diese sind größer und haltbarer und überstehen die Umzüge etwas länger als Schweineblasen – doch auch sie halten selten mehr als wenige Auftritte durch. Dennoch bleiben Schweineblasen die gängigste Wahl, da sie in der Tradition für Eitelkeit und Übermaß stehen.
Der Brauch der Saublodere ist nach wie vor auf tierische Blasen angewiesen, wobei in Rottenburg und Umgebung vor allem Schweineblasen dominieren. Zwar bieten Rinderblasen eine stabilere Alternative, doch ihr Einsatz bleibt vereinzelt und undokumentiert. Jedes Jahr wiederholt sich der Prozess: Beschaffung, Vorbereitung und das laute Knallen der Blasen, um den geräuschvollen Geist des Faschings am Leben zu halten.