Weißstörche erobern Europa zurück – Rekordzahlen und neue Lebensgewohnheiten
Moritz NeumannAngepasster Storch - Die Neue Welt der Weißen Storken - Weißstörche erobern Europa zurück – Rekordzahlen und neue Lebensgewohnheiten
Weißstörche gedeihen in Europa wie nie zuvor. Ihre Bestände haben auf dem gesamten Kontinent stark zugenommen, mit Rekordzahlen an Brutpaaren in Regionen, in denen sie einst fast heimische vögel waren. Klimaveränderungen und angepasste Verhaltensweisen spielten eine entscheidende Rolle bei dieser bemerkenswerten Erholung.
1991 erreichte die Storchenpopulation in Nordrhein-Westfalen (NRW) ihren Tiefpunkt – nur noch drei Brutpaare blieben übrig. Bis 2025 stieg diese Zahl auf 1.027 Paare, die 1.540 flügge Jungvögel großzogen. Besonders der Kreis Minden-Lübbecke, vor allem die Gemeinde Petershagen, entwickelte sich zu einem Hotspot mit allein 190 Brutpaaren.
Das Verhalten der vogel hat sich dramatisch verändert. Statt nach Afrika zu ziehen, folgen mittlerweile über 95 Prozent der kürzeren und sichereren Westroute und bleiben oft ganzjährig in Europa. Milde Winter in Spanien, Portugal, Frankreich und Italien bieten zuverlässige Nahrungsquellen, während städtische Gebiete mit Mülldeponien zusätzliche Ernährung sichern. Diese Anpassung führte zu neuen Überwinterungsplätzen und einem wachsenden Bestand in West- und Nordeuropa. In den Niederlanden stieg die Zahl der Brutpaare innerhalb von zwei Jahrzehnten von etwa 500 auf über 8.000, und selbst in Großbritannien, das einst fast ohne storch war, brüten heute rund 300 Paare.
Da immer mehr Störche die Zugzeit überleben, wird der Konkurrenzkampf um Nistplätze härter. Traditionelle Standorte sind knapp, sodass die Vögel vermehrt in Bäumen brüten. Auch ihr Speiseplan hat sich erweitert: Neben Fröschen stehen nun Regenwürmer, Engerlinge und Feldmäuse auf dem Menu. Ungewiss bleibt jedoch, wie sich die Geflügelpest auf die Bestände auswirkt – erst wenn die ortstreuen Störche in dieser Saison zurückkehren, wird sich das zeigen.
Die Erholung des Weißstorchs ist eine beachtliche Wende, getrieben durch mildere Winter und flexible Nahrungsgewohnheiten. Dass die Vögel früher zurückkehren und neue Brutmuster entwickeln, zeigt eine Art, die sich an veränderte Lebensräume anpasst. Die kommenden Monate werden aufzeigen, wie stark die Geflügelpest ihre wachsenden Populationen beeinflusst hat.






