Warum deutsche Busse ohne Sicherheitsgurte mit bis zu 100 km/h fahren dürfen
Felix SchneiderWarum deutsche Busse ohne Sicherheitsgurte mit bis zu 100 km/h fahren dürfen
In deutschen Bussen gilt nach wie vor keine Anschnallpflicht – trotz Bedenken hinsichtlich der Fahrgastsicherheit bei hohen Geschwindigkeiten. Allein im Jahr 2024 gab es 4.627 Busunfälle, bei denen 4.872 Menschen verletzt und drei getötet wurden. Dennoch sehen die Verkehrsbehörden keinen Anlass, die bestehenden Vorschriften zu ändern.
Nach deutschem Recht dürfen öffentliche Busse auf Autobahnen bis zu 80 km/h fahren, sofern alle Passagiere sitzen. Stehen Fahrgäste im Bus, reduziert sich das Tempolimit auf 60 km/h. Einige Linien – insbesondere Schienenersatz- und Expressverbindungen – erreichen jedoch mittlerweile Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h, ohne dass die Insassen durch Sicherheitsgurte geschützt wären.
Viele Busse verfügen überhaupt nicht über Gurtsysteme, da sie für häufige Haltestellen und schnelles Ein- und Aussteigen konzipiert sind. Eine verpflichtende Anschnallpflicht würde den Fahrgastfluss verlangsamen und logistische Probleme schaffen. Auch das Bundesverkehrsministerium lehnt Änderungen ab und verweist darauf, dass es keine ungewöhnlichen Unfalltrends gebe.
Fahrgäste wie Jamie-Lynn Kohlenberg äußern jedoch Unbehagen darüber, bei hohen Geschwindigkeiten ungesichert unterwegs zu sein. Beamte warnen jedoch, dass die Einführung einer Gurtpflicht Jahre dauern und die ohnehin angespannte Busflotte weiter belasten könnte.
Die Diskussion über Sicherheitsgurte in Bussen hält an, doch konkrete Regeländerungen sind nicht in Sicht. Angesichts tausender Verletzter jährlich bleiben einige Reisende besorgt. Vorerst bleibt das System unverändert – ein Kompromiss zwischen Tempo, Kapazität und Sicherheit.






