23 December 2025, 08:01

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Das Innere einer Kirche mit sitzenden Männern und Frauen, Kerzen vor ihnen und weißen Wänden und Dach.

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Vom Durchstreichen zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten

50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel kamenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt wurde in der Evangelischen Kirche im Rheinland erst schrittweise verwirklicht.

Die Evangelische Kirche im Rheinland verzeichnet seit 1975, als die rechtliche Gleichstellung von Frauen in pastoralen Ämtern eingeführt wurde, einen stetigen Fortschritt in Sachen Geschlechtergerechtigkeit. Über die Jahrzehnte hinweg haben Frauen sich von der vorübergehenden Vertretung hin zu Schlüsselpositionen entwickelt – darunter auch das Amt der Oberkirchenrätin, das 2019 erstmals von einer Frau besetzt wurde.

Der Weg begann 1967, als Gisela Vogel die erste Pfarrerin der Region wurde. Ihr Ernennungsschreiben wurde per Hand korrigiert: Die Anrede „Lieber Bruder“ wurde zu „Liebe Frau Vogel“. Später wirkte sie in mehreren Gemeinden, gehörte der Kirchenleitung an und wurde schließlich die erste Oberkirchenrätin im Rheinland. Heute spricht sie ihre jüngere Kollegin Raphaela Demski-Galla bewusst mit „Schwester“ an – eine bewusste Hommage an den erreichten Fortschritt.

Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen Frauen oft seelsorgerliche Aufgaben, während die Männer an der Front waren. Doch nach Kriegsende wurden viele wieder in unterstützende Rollen gedrängt. Die rechtliche Gleichstellung kam 1975 – doch die praktische Umsetzung blieb eine Herausforderung. Raphaela Demski-Galla, die 2006 ihr Theologiestudium begann, erlebte die Gleichberechtigung zwar theoretisch verankert, doch bemerkte sie Unterschiede darin, wie Frauen Familie und Berufsalltag als Pfarrerin vereinten. Dr. Ilka Werner, heute Superintendentin des Solinger Kirchenkreises, trat ihr Theologiestudium mit einem klaren Ziel an: Sie wollte sich keiner männlichen Autorität unterordnen und ihre Unabhängigkeit sichern. Unter ihrer Leitung hat der Kirchenkreis nun volle Geschlechterparität erreicht – 13 der 26 Pfarrer:innen sind Frauen.

Die Kirche heute schätzt vielfältige Stimmen, Lebenserfahrungen und Identitäten als Bereicherung – nicht als Hindernis. Für Demski-Galla liegt der Kern pastoraler Arbeit im Aufbau von Beziehungen und im Spenden von Trost. Dieser Fokus spiegelt einen größeren Wandel wider: Das Verständnis von Kirche ist nicht mehr nur an Ämter gebunden, sondern an eine Berufung, die auf vielen verschiedenen Wegen gelebt wird.

Die Evangelische Kirche im Rheinland würdigt heute die Beiträge von Frauen auf allen Ebenen – von der lokalen Gemeinde bis zur Spitze der Kirchenleitung. Mit der Hälfte der Solinger Pfarrer:innen als Frauen und Ämtern wie der Oberkirchenrätin, die längst keine Männerdomäne mehr sind, bleibt die Institution im Wandel. Sichtbar wird dies in Titeln, Richtlinien und im Alltag von Pfarrerinnen wie Demski-Galla und Werner.