Verteidigungsministerium blockiert Chat-Protokolle mit Rüstungsfirmen – CORRECTIV legt Widerspruch ein
Moritz NeumannVerteidigungsministerium blockiert Chat-Protokolle mit Rüstungsfirmen – CORRECTIV legt Widerspruch ein
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) verweigert die Herausgabe von Chat-Protokollen zwischen seinen Beamten und Führungskräften der Rüstungsindustrie. Die Entscheidung folgt auf einen im Januar vom Rechercheportal CORRECTIV gestellten Antrag auf Informationsfreiheit. Die Behörden begründeten die Ablehnung mit militärischen Sicherheitsrisiken und dem Schutz sensibler Gespräche.
CORRECTIV hat inzwischen Widerspruch eingelegt und dringt auf teilweise Transparenz. Der Antrag ist Teil einer umfassenderen Untersuchung zur raschen Aufrüstung Deutschlands und dem Einfluss von Rüstungsfirmen auf Beschaffungsentscheidungen.
Das Ministerium bestätigte zwar das Vorhandensein der Korrespondenz, blockierte jedoch deren Veröffentlichung. Die Beamten argumentierten, eine Offenlegung könnte kritische Details zur Einsatzbereitschaft, den Fähigkeiten und laufenden Beschaffungsprojekten der Bundeswehr preisgeben. Zudem warnten sie vor einem möglichen "abschreckenden Effekt" auf interne Kommunikation – Offenheit könnte künftig freie Diskussionen behindern.
Die Weigerung fällt in eine Phase beschleunigter Militärausgaben Deutschlands. 2025 setzte die Bundesregierung die Schuldenbremse für den Verteidigungsetat aus und ermöglichte damit nahezu unbegrenzte Käufe von Waffen und Ausrüstung. Das Ministerium vereinfachte zudem Vergaberegeln, sodass Direktvergaben und Verträge ohne Ausschreibungsverfahren möglich wurden.
Eine separate Recherche von CORRECTIV förderte über 40 vorab festgelegte Verträge im Wert von mehr als 64 Milliarden Euro zutage. Zwar bleiben konkrete Details unklar, Suchergebnisse deuten jedoch auf Aufträge für "Kamikaze-Drohnen" (an Helsing und Stark im Februar 2026 vergeben), KI-gestützte Flugsoftware und intelligente Munition (HAT.tec) sowie Drohnenproduktion (Tytan Technologies) hin. Unbestätigt bleibt jedoch, welche dieser Verträge ohne Wettbewerb vergeben wurden und wie viele solche Deals 2025–2026 zustande kamen.
Das Ministerium stützt seine Haltung zusätzlich auf das Prinzip des Schutzes "des Kernbereichs exekutiver Eigenverantwortung". Dieses juristische Argument schirmt bestimmte Regierungsentscheidungen vor öffentlicher Prüfung ab und untermauert die Weigerung, die angeforderten Dokumente herauszugeben.
CORRECTIVs rechtliche Gegenwehr zielt nun darauf ab, zumindest teilweise Transparenz über die vorenthaltenen Kommunikation zu erzwingen. Das Ergebnis könnte entscheiden, ob Details über die Interaktionen zwischen Rüstungsindustrie und Beamten öffentlich werden. Vorerst lässt die Haltung des Ministeriums zentrale Fragen zu Beschaffungsverfahren und Militärhaushalt unbeantwortet.






