Über 13.000 Straftäter in forensischen Psychiatrien – wie sicher ist das System?
Charlotte SimonÜber 13.000 Straftäter in forensischen Psychiatrien – wie sicher ist das System?
Über 13.000 Menschen in forensisch-psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland (2024)
Im Jahr 2024 waren in Deutschland mehr als 13.000 Personen in forensisch-psychiatrischen Kliniken untergebracht. Diese spezialisierten Einrichtungen, verteilt auf 78 Standorte, nehmen Straftäter auf, die aufgrund schwerer psychischer Erkrankungen oder Suchterkrankungen eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen. Das System verfolgt das Ziel, Therapie und öffentliche Sicherheit gleichermaßen zu gewährleisten.
Die Unterbringung erfolgt auf Basis richterlicher Anordnung, wobei die Dauer regelmäßig gerichtlich überprüft wird. Die Patienten erhalten eine strukturierte Behandlung, zu der Therapien und Programme zur Wiedereingliederung gehören.
In den Maßregelvollzugskliniken sind Personen untergebracht, die wegen schwerer Straftaten verurteilt wurden, für den normalen Strafvollzug jedoch als ungeeignet gelten. Sicherheit hat höchste Priorität: Zu den Schutzvorkehrungen zählen unter anderem Umzäunungen, Schleusensysteme, Videoüberwachung und Türalarme. Trotz dieser Maßnahmen kam es in der Vergangenheit zu Vorfällen: Im September 2023 kehrte ein wegen Sexualdelikten verurteilter Patient nach einem genehmigten Ausgang nicht in eine Einrichtung in Münster zurück. Bereits im Juni 2023 war ein weiterer Patient aus einer LVR-Klinik in Köln geflohen, wurde jedoch wenige Tage später in Velbert wieder gefasst.
Die Behandlung in diesen Einrichtungen umfasst je nach Fall Medikamente, Gesprächstherapien und beschäftigungstherapeutische Maßnahmen. Bei Fortschritten werden die Auflagen schrittweise gelockert – einige Patienten erhalten begleitete Ausgänge, unbegleiteten Urlaub oder werden in externe Wohngruppen verlegt. Nordrhein-Westfalen, wo sich 17 solcher Kliniken befinden, hielt im Januar 2025 insgesamt 3.628 Personen in Maßregelvollzug. Eine neue Einrichtung in Lünen befindet sich im Bau, um die Kapazitätsengpässe zu entlasten.
In einigen Regionen bleibt Überbelegung ein Problem. Hamburg etwa beherbergt 400 Patienten, obwohl nur 375 Plätze vorgesehen sind. Ähnliche Engpässe melden neun weitere Bundesländer, was Fragen zur Ressourcenverteilung und Patientenbetreuung aufwirft.
Das forensisch-psychiatrische System in Deutschland vereint Sicherheit und Resozialisierung, um hochriskante Straftäter zu behandeln und Rückfälle zu verhindern. Mit über 13.000 Untergebrachten bundesweit steigt der Bedarf an spezialisierter Betreuung weiter an. Ausbauprojekte wie die geplante Klinik in Lünen sollen die überlasteten Einrichtungen entlasten.






