24 April 2026, 22:02

TMZ stürmt Washington: Boulevard-Journalismus erobert die US-Politik

Porträt von George Washington mit ernstem Gesichtsausdruck, der einen Anzug und eine Krawatte trägt und direkt in die Kamera schaut.

TMZ stürmt Washington: Boulevard-Journalismus erobert die US-Politik

Die Klatschseite TMZ, bekannt für ihre aggressiven Enthüllungen aus der Promi-Welt, richtet ihr Augenmerk nun auf die Politik in Washington – und bringt ihren reißerischen Boulevard-Stil in die Hauptstadt. Der Schritt erfolgt zu einer Zeit, in der das Vertrauen der Bevölkerung in den Kongress auf Rekordtief steht und die mögliche Rückkehr von Ex-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus die Grenzen zwischen Politik und Prominentenkultur weiter verwischt.

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Das Portal, das 2005 von Harvey Levin gegründet wurde und durch spektakuläre Enthüllungen wie den Tod von Michael Jackson 2009 bekannt wurde, jagd nun mit Kameras Abgeordneten nach und verlässt sich auf Hinweise aus der Öffentlichkeit, um Politiker in unbewachten Momenten zu fotografieren. Levin pflegt seit Jahren ein gespanntes Verhältnis zu Trump. Während TMZ einst mit Skandalen aus Hollywood – etwa Jacksons tödlicher Drogenabhängigkeit – Schlagzeilen machte, konzentriert es sich nun auf Washington. Allerdings verfügt das Portal über keine offiziellen Presseausweise für die Berichterstattung aus dem Kongress.

Ohne Zugang zu den Pressebereichen führen TMZ-Reporter in der Hauptstadt "Gehen-und-Reden"-Interviews durch und stellen Politiker oft in öffentlichen Räumen zur Rede. Diese Methode hat bereits erste Erfolge gebracht – etwa ein viral gegangenes Foto von Senator Lindsey Graham, der in Disney World einen Zauberstab hält. Das Bild entstand während einer hitzigen Debatte über Haushaltsfragen im Kongress und unterstrich den Kontrast zwischen politischen Krisen und privater Freizeitgestaltung.

Der Vorstoß von TMZ in die Politik fällt mit einer Phase tiefer Unzufriedenheit in der Bevölkerung zusammen. Eine Gallup-Umfrage von 2023 zeigte, dass 86 Prozent der Bürger mit der Arbeit des Kongresses unzufrieden sind – ein historischer Tiefstand. Allein im April 2023 traten drei Abgeordnete wegen Vorwürfen wie sexueller Belästigung und Betrugs zurück. Unterdessen ist Trumps Zustimmungsrate auf 33 Prozent gesunken, ein Rückgang um neun Punkte seit Beginn seiner hypothetischen zweiten Amtszeit.

Sogar im Pentagon hat man die wachsende Präsenz von TMZ registriert. Verteidigungsminister Pete Hegseth erwähnte das Portal bei einer Pressekonferenz und bezeichnete die Reporter als "neue Mitglieder unserer Pressegruppe".

Mit dem Einstieg von TMZ in die politische Berichterstattung verändert sich die Art und Weise, wie Politiker dargestellt werden: Boulevard-Journalismus vermischt sich mit klassischer Berichterstattung. Angesichts der zunehmenden Überprüfung von Abgeordneten und des historisch niedrigen Vertrauens in die Regierung wird der konfrontative Stil des Portals Politiker künftig noch stärker in den Fokus rücken – sowohl im Dienst als auch im Privatleben.

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