08 February 2026, 04:02

ThyssenKrupp und Salzgitter: Zwei gegensätzliche Wege in der grüne Stahlwende

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Fabrikszene bei Cadillac Steel Works, das Arbeiter bei der Bedienung einer großen Maschine zeigt, umgeben von Leitern und Stangen.

ThyssenKrupp und Salzgitter: Zwei gegensätzliche Wege in der grüne Stahlwende

Zwei der größten Stahlproduzenten Deutschlands, ThyssenKrupp und Salzgitter, schlagen völlig unterschiedliche Wege in einer Branche unter Druck ein. ThyssenKrupp und Salzgitter kämpfen beide um die Anpassung an die grüne Wende – doch ihre Strategien und die damit verbundenen Risiken könnten kaum gegensätzlicher sein. Anleger stehen nun vor der Wahl zwischen einem weitverzweigten Mischkonzern mit hohem Einsatz und einem fokussierten Stahlhersteller, der massiv auf Dekarbonisierung setzt.

Der Kontrast hat sich seit der Übernahme von HKM durch Salzgitter Anfang 2026 weiter verschärft – ein Schritt, der die Position des Unternehmens festigte, während der Aktienkurs von ThyssenKrupp innerhalb eines Jahres um über 200 Prozent in die Höhe schoss.

Salzgitter setzt seine Zukunft voll auf Stahl und verdoppelt seine Wette auf Produktion und Verarbeitung, während es gleichzeitig die Lieferketten für grüne Fertigung sichert. Das SALCOS-Projekt zählt zu den fortschrittlichsten Dekarbonisierungsvorhaben Europas, mit bereits im Bau befindlichen Anlagen und klaren technischen Fahrplänen. Unter CEO Gunnar Groebler bleibt die Aktie des Unternehmens widerstandsfähig und notiert nahe Rekordhochs, da Anleger den fokussierten Ansatz belohnen.

Die HKM-Übernahme beseitigte zwar eine große Unsicherheitsquelle am Markt, doch die Reaktionen fielen gemischt aus. Für Salzgitter stärkt der Deal die Kontrolle über das Kerngeschäft, erhöht aber auch die Abhängigkeit von den zyklischen Schwankungen der Stahlbranche. Die Dividenden waren zwar stabiler als bei ThyssenKrupp, doch Abschwünge treffen das Unternehmen umso härter, wenn sie eintreten.

ThyssenKrupp hingegen bleibt ein unübersichtlicher Mischkonzern, belastet von Sparten, die von U-Booten bis zu Autoteilen reichen. Sein Juwel, die Tochter Nucera, verschafft ihm mit Elektrolysetechnologie – einem Schlüsselelement für grünen Stahl – einen technologischen Vorsprung, doch die Umsetzung war bisher unbeständig. Die Aktie des Konzerns bleibt volatil, wobei Prognosen über einen Nettoverlust in dreistelliger Millionenhöhe die Bewertung belasten. Dennoch ist die Marktkapitalisierung seit dem Abschluss der HKM-Übernahme im Februar 2026 auf 7,0 bis 7,2 Milliarden Euro gestiegen, während der Aktienkurs von einem Tiefstand von 3,34 Euro im Jahr 2025 auf heute etwa 11,20 bis 11,70 Euro kletterte.

Die Unterschiede lassen sich auf die Risikobereitschaft zurückführen: Salzgitter spricht Anleger an, die auf einen reibungslosen grünen Wandel setzen, während ThyssenKrupp eine riskante Wette auf eine Umstrukturierung bietet. Sollte das Unternehmen die Versprechen von Nuceras Elektrolysetechnologie einlösen, könnte sich das großzügig auszahlen.

Salzgitters fokussierte Strategie und die Fortschritte bei der Dekarbonisierung haben das Vertrauen der Anleger gewonnen, was sich in Aktienkursen nahe Rekordständen widerspiegelt. ThyssenKrupps Wende hängt hingegen davon ab, ob es gelingt, den geplanten Konzernumbau umzusetzen und das Potenzial von Nucera zu nutzen.

Bisher hat der Markt beide Ansätze belohnt – Salzgitter für Stabilität im grünen Wandel der Stahlbranche und ThyssenKrupp für die Aussicht auf eine radikale Veränderung. Die eigentliche Bewährungsprobe steht jedoch noch bevor, wenn an die Stelle von Prognosen konkrete Ergebnisse treten.