THTR-300 in Hamm: Stilllegung bis 2030 – doch Atommüll und Insolvenz drohen Verzögerungen
Moritz NeumannTHTR-300 in Hamm: Stilllegung bis 2030 – doch Atommüll und Insolvenz drohen Verzögerungen
Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm: Stilllegung bis 2030 – doch finanzielle und logistische Hürden bleiben
Der Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, soll bis 2030 vollständig zurückgebaut sein. Mit einer elektrischen Leistung von 300 Megawatt sah sich das Kraftwerk seit seiner Inbetriebnahme mit wiederholten technischen Problemen konfrontiert, bevor es 1989 abgeschaltet wurde. Jahrzehnte später läuft nun der Abbau – doch finanzielle und organisatorische Herausforderungen erschweren das Vorhaben.
Der THTR-300 war nur 423 Tage in Volllast betrieben worden, bevor er am 1. September 1989 stillgelegt wurde. In dieser kurzen Zeit verzeichnete die Anlage 125 meldepflichtige Zwischenfälle. Ausschlaggebend für die Abschaltung war der Fund gebrochener Haltebolzen in der Heißgasleitung – ein Mangel, der später die Entscheidung beeinflusste, den Reaktor bis 2030 vollständig stillzulegen.
Seit dem Ende des kommerziellen Betriebs sind für die Instandhaltung und Vorbereitung des Rückbaus rund 441 Millionen Euro aufgewendet worden. Davon übernahm der Bund 133 Millionen Euro, das Land Nordrhein-Westfalen steuerte 152 Millionen Euro bei, und die Betreibergesellschaft Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG) trug etwa 156 Millionen Euro. Doch die finanzielle Belastung führte dazu, dass das Amtsgericht Dortmund am 23. September 2025 die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der HKG anordnete.
Die Gesamtbaukosten des Reaktors hatten bereits 2,045 Milliarden Euro betragen, wobei der Bund 1,284 Milliarden Euro und das Land 233 Millionen Euro beigesteuert hatten. Trotz dieser Investitionen entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf, dass weder das Land noch der Bund für weitere Stilllegungskosten aufkommen müssen.
Der THTR-300 befindet sich derzeit im sogenannten "sicheren Einschluss" – ein Zustand, der bereits seit 36 Jahren anhält. Diese Phase soll bis 2027 andauern, bevor 2028 die Vorbereitungen für den Rückbau beginnen. Unterdessen lagern 305 Castor-Behälter mit etwa 675.000 bestrahlten Brennstoffkugeln im Zwischenlager Ahaus. Ein alternativer Standort für die Endlagerung steht noch nicht fest, sodass der Atommüll vorerst an Ort und Stelle verbleibt, bis eine dauerhafte Lösung gefunden wird.
Die Stilllegung des THTR-300 markiert das Ende eines kostspieligen und von Problemen geprägten Kapitels der deutschen Atomgeschichte. Mit dem geplanten Beginn des Rückbaus 2028 und der weiterhin ungelösten Frage der Endlagerung bleiben die finanziellen und technischen Hindernisse bestehen. Die Insolvenz der Betreibergesellschaft wirft zusätzliche Unsicherheiten über den Zeitplan und die Finanzierung der endgültigen Stilllegung auf.






