Streit um Streikrecht: NRW-Ministerium rudert nach rechtwidriger Anweisung zurück
Noah MayerStreit um Streikrecht: NRW-Ministerium rudert nach rechtwidriger Anweisung zurück
Ein internes Schreiben des Wirtschaftsministeriums von Nordrhein-Westfalen hat für Empörung gesorgt, nachdem es streikende Mitarbeiter angewiesen hatte, sich aus dem Zeiterfassungssystem abzumelden und ihre Teilnahme im Voraus anzuzeigen. Die Anweisung steht im Widerspruch zum Arbeitsrecht, das Arbeitnehmer nicht verpflichtet, ihren Arbeitgeber vor einem Streik zu informieren. Das Ministerium hat inzwischen eingeräumt, dass die Formulierung falsch war, und das Schreiben zurückgezogen.
Unterdessen fordern Gewerkschaften im Rahmen der laufenden Tarifverhandlungen eine Lohnerhöhung von 7 Prozent für Beschäftigte im öffentlichen Dienst – mindestens jedoch 300 Euro mehr im Monat.
Der Streit begann, als das Wirtschaftsministerium ein Rundschreiben an Mitarbeiter verschickte, die an Warnstreiks teilnahmen. Darin wurden sie aufgefordert, sich aus dem Zeiterfassungssystem auszuloggen und ihre Streikabsicht per E-Mail anzukündigen, bevor sie in den Ausstand traten. RechtsExperten wiesen darauf hin, dass diese Forderung gegen die Arbeitsrechte verstößt, da Arbeitnehmer nicht verpflichtet sind, ihren Arbeitgeber vorab über einen Streik zu informieren.
Die Gewerkschaft Verdi und Oppositionspolitiker kritisierten den Schritt umgehend scharf. Sie argumentierten, dass das Vorgehen des Ministeriums das verfassungsmäßig geschützte Streikrecht der Beschäftigten untergrabe – ein Schutz, der auch für die Tarifbeschäftigten innerhalb des Ministeriums gelte.
Das Ministerium gab daraufhin zu, dass das Schreiben missverständlich formuliert war, und zog es zurück. Der Vorfall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem Gewerkschaften wie Verdi und die GEW für 2,6 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst bundesweit eine Lohnerhöhung von 7 Prozent (mindestens jedoch 300 Euro mehr pro Monat) fordern. Für Auszubildende soll es eine Erhöhung von 200 Euro geben. Die Verhandlungen sind Teil der bundesweiten Tarifrunde Länder, im Rahmen derer es bereits in Köln, Berlin und Mannheim zu Streiks gekommen ist.
Weitere Proteste sind für Dienstag in Düsseldorf geplant, noch vor der nächsten Verhandlungsrunde, die vom 11. bis 13. Februar in Potsdam stattfinden soll. Die Gewerkschaften begründen die Forderung nach höheren Löhnen mit der Notwendigkeit, die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen, und verlangen zugleich, dass auch Beamte entsprechende Anpassungen erhalten.
Das zurückgezogene Schreiben unterstreicht die Spannungen zwischen dem Ministerium und den Gewerkschaften in der Frage der Streikregelungen. Angesichts der noch laufenden Lohnverhandlungen erhöht der Konflikt den Druck vor den anstehenden Gesprächen in der nächsten Woche. Die Proteste in Düsseldorf werden voraussichtlich weitere Aufmerksamkeit auf die Forderung nach höheren Löhnen im öffentlichen Sektor lenken.