28 October 2025, 14:02

Streik der Lieferanten für bessere Bezahlung, erinnert an historische Ford-Proteste

Graffiti bedeckt die Seite eines Zuges mit sichtbaren Kabeln, und Häuser mit Fenstern sind im Hintergrund zu sehen.

Streik der Lieferanten für bessere Bezahlung, erinnert an historische Ford-Proteste

Migrantische Arbeiter:innen in Deutschland erheben erneut ihre Stimme – diesmal streiken Lieferando-Kurierfahrende für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Die von Gewalt begleiteten Proteste erinnern an den Ford-Streik von 1973, der den Beginn der Selbstermächtigung von Migrant:innen markierte. Ein neues Buch, herausgegeben von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis, untersucht die Auswirkungen dieser Kämpfe und die Rolle von Gewerkschaften wie der IG Metall und der FAU. Der seit Herbst 2025 andauernde Lieferando-Streik wird von migrantischen Beschäftigten getragen, die eine zusätzliche D-Mark pro Stunde sowie bessere Arbeitsbedingungen fordern. Die Demonstrationen wurden mit Gewalt beantwortet, als sowohl Mitarbeiter:innen als auch Polizist:innen gegen die Streikenden vorgingen. Zwar ist die IG Metall nicht direkt in die Auseinandersetzungen involviert, doch setzt sie sich für die EU-Plattformrichtlinie ein, die Arbeiter:innen vor Auslagerung und prekären Beschäftigungsverhältnissen schützen soll. Die FAU, bekannt für basisdemokratische Organisierung und direkte Aktionen, hat sich bisher nicht explizit zu den Lieferando-Streiks geäußert. Rückblickend war der Ford-Streik von 1973 ein entscheidender Moment für migrantische Arbeiter:innen. Vor allem von Migrant:innen getragen, richtete er sich gegen unwürdige Arbeitsbedingungen und Schikanen – und wurde brutal von Polizei und Werksschutz niedergeschlagen. Das Buch "Der Streik hat mir als jungem Menschen Kraft gegeben. Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus" analysiert die Folgen des Ford-Streiks und seine Aktualität für heutige Arbeitskämpfe, etwa von Fahrradkurier:innen oder den erfolgreichen Streiks migrantischer Frauen im Jahr 1973. Zudem werden kontroverse Positionen zur Rolle des Betriebsrats und der IG Metall während des Ford-Streiks dargestellt, insbesondere die unterschiedlichen Sichtweisen der ehemaligen linken IG-Metall-Funktionäre Witich Rossmann und Nihat Öztürk. Der von Gewalt und dem Ruf nach Würde geprägte Lieferando-Streik spiegelt die historischen Kämpfe von 1973 wider. Das neue Buch wirft ein Licht auf diese Auseinandersetzungen, ihre Auswirkungen und die Rolle der Gewerkschaften. Während migrantische Arbeiter:innen weiterhin für ihre Rechte kämpfen, bleibt die Debatte über ihre Behandlung und die Funktion der Gewerkschaften aktuell wie eh und je.