Solingen streitet über umstrittene ABC-Kurse für Sprachförderung in Kitas
Felix SchneiderSolingen streitet über umstrittene ABC-Kurse für Sprachförderung in Kitas
Ein umstrittenes Vorhaben, Kinder mit Sprachförderbedarf aus ihren regulären Kita-Gruppen herauszunehmen, hat in Solingen für Kritik gesorgt. Lokale Politiker und Bildungsexpert:innen warnen, der Ansatz könnte etablierte Lernroutinen stören und unnötige Trennungen schaffen. Zudem gebe es Unklarheiten, wie das neue System mit bestehenden Förderstrukturen verzahnt werden solle.
Vorgesehen ist, die betroffenen Kinder regelmäßig aus ihrem gewohnten Kita-Umfeld für spezielle Sprachkurse – sogenannte ABC-Kurse – herauszunehmen. Kritiker wie Maja Wehrmann befürchten, dies könnte vertraute Lernabläufe unterbrechen und die Kinder zusätzlich stigmatisieren. Die Expertin Jessica Schliewe betont, dass Sprachentwicklung am besten in vertrauten Umgebungen gelinge, in denen bereits stabile Bezugspersonen vorhanden seien.
Lokale Politiker von CDU und Grünen unterstützen zwar die frühe Sprachförderung, lehnen das neue Modell jedoch ab. Stattdessen fordern sie eine Stärkung der bestehenden Kita-Angebote anstelle separater Systeme. Simone Lammert weist auf einen zentralen Schwachpunkt hin: Die ABC-Kurse könnten eine parallele Förderstruktur schaffen, statt die vorhandenen Angebote zu verbessern.
Unklar bleibt, wie das neue Modell mit den aktuellen Rahmenbedingungen harmonisiert werden soll – was die Planung vor Ort erschwert. Zwar gibt es in einigen Bundesländern wie Hamburg positive Erfahrungen mit ähnlichen Programmen, doch fehlen langfristige Daten zu Integration und Lernerfolgen. Das Saarland plant ab April 2026 ein verpflichtendes Sprachförderprogramm zu testen, doch liegen noch keine Ergebnisse vor.
Im Kern geht es in der Debatte darum, ob die geplanten ABC-Kurse die Sprachförderung tatsächlich verbessern oder unnötige Separation erzeugen. Lokale Verantwortliche drängen auf eine bessere Abstimmung zwischen Landes- und Kommunalbehörden, bevor weitere Schritte unternommen werden. Der Fokus liegt derzeit darauf, die bestehenden Kita-Strukturen zu stärken, statt unausgereifte Modelle einzuführen.






