Sichere Anlaufstellen: Wie die Bundespolizei gewaltbetroffenen Frauen an Bahnhöfen hilft
Charlotte SimonBundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Sichere Anlaufstellen: Wie die Bundespolizei gewaltbetroffenen Frauen an Bahnhöfen hilft
Seit 2024 gibt es an zwei großen deutschen Bahnhöfen Beratungsstellen für dfb frauen, die von Gewalt betroffen sind. Diese Pilotprojekte am Kölner Hauptbahnhof und am Berliner Ostbahnhof haben bereits in über 200 Fällen Unterstützung geleistet. Betreut werden die Einrichtungen ausschließlich von speziell geschulten Polizistinnen und bieten Betroffenen einen sichereren Raum als herkömmliche Polizeidienststellen.
Die Zentren wurden im Rahmen eines Modellversuchs eingerichtet, um Frauen, Kindern und Jugendlichen, die Gewalt erfahren, zu helfen. Bei 220 dokumentierten Fällen bot die Bundespolizei in Berlin und Köln Beratung an – in 33 Fällen ging es um häusliche Gewalt. Ein Vorfall betraf ein 15-jähriges, schwangeres Mädchen, das von ihrem Freund geschlagen worden war. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, und Anzeige gegen den Täter wurde erstattet.
Die Einrichtungen unterstützen auch Opfer sexualisierter Gewalt oder Menschen in akuten Krisensituationen. Das Angebot reicht von Beratungsgesprächen über die Vermittlung in Krankenhäuser bis hin zur Organisation von Schutzunterkünften. Bei Bedarf können die Beamten zudem die vorübergehende Wegweisung von Tätern veranlassen.
Trotz der positiven Bilanz des Pilotprojekts ist bis Februar 2026 keine Ausweitung auf weitere Bahnhöfe geplant. Auch die Zukunft der bestehenden Standorte bleibt über September 2027 hinaus ungewiss – eine Entscheidung über eine mögliche Erweiterung steht noch aus.
Die Initiative kommt zu einer Zeit, in der die gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt in Deutschland 2024 um 3,5 Prozent auf 187.128 betroffene Frauen stiegen. Unklar ist jedoch, ob dies auf eine Zunahme der Vorfälle oder auf eine höhere Bereitschaft zurückzuführen ist, solche Taten anzuzeigen.
Die Modellprojekte leisten zwar wichtige Hilfe, doch ihre langfristige Perspektive bleibt unklar. Ohne die Bestätigung neuer Standorte oder einer verlängerten Finanzierung könnte ihr Wirkungskreis begrenzt bleiben. Zudem basieren die offiziellen Kriminalstatistiken auf angezeigten Fällen – das tatsächliche Ausmaß der Gewalt bleibt daher unbekannt.