Riesiges Wohnprojekt in Bergisch Gladbach spaltet Stadtplaner und Investoren
Moritz NeumannRiesiges Wohnprojekt in Bergisch Gladbach spaltet Stadtplaner und Investoren
Ein Softwareentwickler hat ein großes Wohnbauprojekt am östlichen Rand des Bergisch Gladbacher Stadtzentrums vorgeschlagen. Die Pläne sehen den Bau zweier langer Gebäude vor – 100 und 50 Meter lang –, die eine Höhe von 26 Metern erreichen sollen. Bei Genehmigung wäre es eines der größten Bauvorhaben in der Region.
Das Projekt erstreckt sich vom Kreisverkehr am Ende der Hauptstraße entlang der Körtener Straße und reicht fast bis zum zweiten Zugang des Gewerbegebiets Strundepark/Lochermühle.
Der Entwickler beabsichtigt, die deutschen Soka Bau-Regelungen ("Beschleunigtes Bauverfahren") zu nutzen, um die üblichen Auflagen zu umgehen. Unter normalen Bedingungen würde das Vorhaben aufgrund seiner Größe und der geplanten Wohnnutzung in einem Gewerbegebiet voraussichtlich abgelehnt. Die beiden Gebäudeflügel werden nur von einer 220 Jahre alten Blutbuche und einem Umspannwerk unterbrochen.
Das geplante Gebäude soll acht Stockwerke umfassen. Das Erdgeschoss und eine weitere Ebene darüber dienen als Parkfläche, während vier Etagen Wohn- und Gewerbeeinheiten beherbergen sollen. Zwei zusätzliche, versetzt angelegte Obergeschosse komplettieren das Design.
Stadtvertreter äußerten Bedenken, dass die Genehmigung eines 26 Meter hohen Gebäudes einen Präzedenzfall für künftige Projekte in der Gegend schaffen könnte. Sobald ein großes Bauvorhaben bewilligt wird, könnte es schwieriger werden, ähnliche Anträge abzulehnen. Die Stadtverwaltung betonte zudem, dass der Soka Bau nicht für Gewerbegebiete wie Lochermühle gelten sollte.
Die endgültige Entscheidung liegt nun beim Ausschuss für Stadtplanung, der den Vorschlag am 5. März beraten wird. Das Gremium kann die Pläne genehmigen, abändern, verkleinern oder vollständig ablehnen.
Bisher hat keine andere deutsche Stadt das Soka Bau-Verfahren genutzt, um die Bauhöhe oder -dichte in Gewerbe- oder Industriegebieten zu erhöhen. Die Regelung ist streng auf den Wohnungsbau in Regionen mit Wohnungsmangel beschränkt, wobei Städte wie Dresden und Marl sich ausschließlich auf Wohnprojekte konzentrieren.
Über das Schicksal des Vorhabens wird der Stadtplanungsausschuss Anfang März entscheiden. Bei einer Genehmigung würde dies eine deutliche Veränderung des Stadtbilds und der Bauvorschriften in der Region bedeuten. Die Entscheidung könnte auch beeinflussen, wie künftig Großprojekte in Bergisch Gladbach gehandhabt werden.






