Regionalverkehr vor dem Kollaps: EuGH-Urteil und steigende Trassenpreise bedrohen Bahnbetreiber
Admin UserRegionalverkehr vor dem Kollaps: EuGH-Urteil und steigende Trassenpreise bedrohen Bahnbetreiber
Die Zukunft des Regionalverkehrs in Deutschland steht an einem Scheideweg. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das bis Mitte 2026 erwartet wird, könnte die Schienenmaut deutlich in die Höhe treiben. Gleichzeitig plant die Bundesregierung, Infrastrukturmodernisierungen über die DB InfraGo zu finanzieren – was möglicherweise zu höheren Trassenpreisen führt. Allerdings ist die Zukunft des Deutschlandtickets bis 2030 gesichert, wobei ein Index langfristige Preisanpassungen regeln soll.
Private Eisenbahnunternehmen haben die Begrenzung der Trassenentgelte vor dem EuGH angefochten, wobei die betroffenen Unternehmen namentlich nicht genannt wurden. Der private Regionalbahnbetreiber National Express hat bereits den Betrieb auf der Strecke Aachen–Hamm eingestellt, da die stark gestiegenen Kosten in seinem Langzeitvertrag nicht berücksichtigt wurden. Die EU empfiehlt ein System der Grenzkostenpreise für Trassengebühren, bei dem Bahnunternehmen nur die direkten Betriebskosten tragen.
Derzeit beschaffen staatliche Unternehmen die Fahrzeuge für den Regionalverkehr und verpachten sie an die Betreibergesellschaften. Die deutschen Bundes- und Landesbahnen wurden in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, wobei der Regionalverkehr auf die Bundesländer übertragen und ausgeschrieben wurde. Steigen jedoch die Kosten für den Regionalverkehr ohne ausreichende staatliche Kompensation, könnten Betreiber Leistungen stürzen oder in die Insolvenz rutschen – wie 2021 bei Abellio geschehen. Jeder Zug, der auf Bundesschienen fährt, unterliegt einer Infrastrukturabgabe, während Busse von solchen Gebühren befreit sind. Die Finanzierung des Regionalverkehrs hat seit der Übertragung der Verantwortung auf die Länder nicht mit der Inflation Schritt gehalten.
Das anstehende EuGH-Urteil und mögliche Erhöhungen der Trassenentgelte stellen eine erhebliche Bedrohung für den Regionalverkehr dar. Ohne ausreichende Ausgleichszahlungen könnten Betreiber Schwierigkeiten haben, ihre Leistungen aufrechtzuerhalten. Die Verlängerung des Deutschlandtickets bringt zwar etwas Entlastung, doch sind langfristige Finanzierungslösungen nötig, um die Zukunft des Regionalverkehrs nachhaltig zu sichern.