Provokante *Salome*-Premiere an der Komischen Oper Berlin bricht mit Traditionen
Noah MayerProvokante *Salome*-Premiere an der Komischen Oper Berlin bricht mit Traditionen
Eine kühne Neuinszenierung von Richard Strauss’ Salome feiert Premiere an der Komischen Oper Berlin
Unter der Regie von Evgeny Titov verzichtet die Produktion auf den traditionellen Glanz der Oper und setzt stattdessen auf schroffe, psychologische Intensität. Das einst wegen seiner skandalösen Themen verbotene Werk kehrt nun mit einer provokanten Wendung zurück – eine Mischung aus BDSM-Bildern und einem matt-goldenen Tresorraumbühnenbild des Designers Rufus Didwiszus.
Richard Strauss’ Salome hatte um 1900 Uraufführung und löste sofort einen Eklat aus. Die Wiener Hofoper verhängte zunächst ein Aufführungsverbot, und selbst die Berliner Premiere war an eine Bedingung geknüpft: Im Finale musste der Stern von Bethlehem erscheinen. Strauss scherzte später, der durch den Skandal entstandene „Schaden“ habe ihm den Bau seiner Villa in Garmisch finanziert. Mehr als ein Jahrhundert später mag der Schockeffekt verflogen sein, doch die Beliebtheit des Werks bleibt ungebrochen.
Titovs Salome bietet eine radikale Neudeutung des Strauss-Klassikers. Mit ihrem psychologischen Fokus und schonungslosen Bildern stellt die Inszenierung traditionelle Lesarten der Oper infrage. Zwar geraten die ästhetischen Experimente mitunter ins Wanken, doch die Produktion bewahrt den provokativen Geist des Werks für ein modernes Publikum.