NRW-Krankenhäuser rüsten sich für die nächste Katastrophe – doch Lücken bleiben
Charlotte SimonNRW-Krankenhäuser rüsten sich für die nächste Katastrophe – doch Lücken bleiben
Krankenhäuser in ganz Nordrhein-Westfalen (NRW) überprüfen derzeit ihre Notfallvorsorge angesichts wachsender Sorgen vor möglichen Krisen. Eine aktuelle Umfrage des WDR deckte Lücken in der Infrastruktur auf – von der Stromversorgung bis zu medizinischen Reserven –, während einige Einrichtungen nach neuen Lösungen suchen. Ein zentrales Problem ist das Fehlen von Schutzbunkern, ein Erbe aus dem Ende des Kalten Krieges.
Das Bergmannsheil-Krankenhaus in Bochum unternimmt Schritte, um seine Krisenreaktion zu verbessern. In Zusammenarbeit mit der Bundeswehr lässt es sein Personal in Notfallchirurgie für Massenanfälle von Verletzten schulen. Der ärztliche Direktor Mirko Aach warnt, dass Krankenhäuser nach wie vor schlecht auf großflächige Anschläge oder Katastrophen vorbereitet seien. Die Einrichtung selbst wird von fünf Dieselgeneratoren mit je 72 Stunden Treibstoffreserve betrieben – eine in deutschen Krankenhäusern verbreitete Lösung.
Die Versorgung mit Wasser und Medikamenten stellt weitere Herausforderungen dar. Die meisten Krankenhäuser sind vollständig auf externe Wasserquellen angewiesen, nur jedes fünfte lagert eine Woche lang abgefülltes Wasser. Unverzichtbare Arzneimittel sind für zwei bis sechs Wochen vorrätig, doch Blutreserven wären in einer Krise schnell aufgebraucht. Professor Boris Augurzky schlägt ein rotierendes Lagerungssystem vor, um Medikamentenverschwendung zu vermeiden.
In Köln planen städtische Kliniken ein zweistöckiges Tiefgeschoss mit doppelter Nutzung: Im Frieden dient es als Parkhaus, im Krisenfall ließe es sich in ein medizinisches Versorgungszentrum umwandeln. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann räumte jedoch ein, dass keine Landesmittel für solche Projekte bereitstünden, und verwies auf den Bundesverteidigungshaushalt als mögliche Alternative.
Während des Kalten Krieges verfügte NRW über Hilfsbunker, die als medizinische Einrichtungen genutzt wurden – sie sind inzwischen alle geschlossen. Bundesweit sank die Zahl der Krankenhäuser mit unterirdischen Schutzräumen von einst etwa 2.000 auf weniger als 200 bis zum Jahr 2025. Heute unterhalten nur noch wenige Bundesländer – darunter Bayern, Baden-Württemberg und Hessen – modernisierte Schutzstrukturen.
Die Umfrage zeigt eine Mischung aus Fortschritten und anhaltenden Schwachstellen in den Notfallplänen der NRW-Krankenhäuser. Während einige Einrichtungen in Schulungen und Infrastruktur investieren, kämpfen andere mit Finanzierungsengpässen und veralteten Systemen. Ohne weitere Maßnahmen könnten Lücken bei Strom, Wasser und medizinischer Versorgung die Krankenhäuser in einer großen Krise überfordern.