04 April 2026, 12:03

New Yorks skurrilste Parade: Wie ein Künstler seit 38 Jahren die Medien narrt

Zeichnung eines Mannes in Zylinder und Frack, der vor einer Menge performs, mit einem Pfahl und einem Zaun im Hintergrund, beschriftet mit "April Fool's Day" unten.

New Yorks skurrilste Parade: Wie ein Künstler seit 38 Jahren die Medien narrt

Seit fast vier Jahrzehnten versammeln sich New Yorker jedes Jahr am 1. April zu einer Parade wie keine andere. Was als satirischer Seitenhieb auf die Leichtgläubigkeit der Medien begann, hat sich zu einer skurrilen Tradition entwickelt – mit politischen Doubles, absurden Wagen und sogar Marschkapellen. Hinter alldem steht Joey Skaggs, ein Künstler, dessen ausgeklügelte Streiche Reporter seit Jahren narren – ganz ähnlich wie ein berüchtigter Scherz aus dem Jahr 1985 einst Sportfans im ganzen Land an der Nase herumführte.

Die Tradition nahm 1986 ihren Anfang, geboren aus Skaggs' Frustration über die Heuchelei in der Kunstwelt, wie er sie wahrnahm. Statt zu konventionellen Protesten griff er zur Satire und lud Journalisten ein, über ein Ereignis zu berichten, das ihre eigene Bereitschaft verspottete, Unglaubliches zu glauben. Mit der Zeit wurde die Parade selbst zur Attraktion – mit spektakulären Einlagen wie einem Donald-Trump-Double-Wettbewerb in den 1990ern oder einer Jahrtausendwende-Feier unter dem Motto "Ende der Welt".

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Auch die diesjährige Ausgabe blieb sich treu: Ein Präsidial-Double führte den Umzug durch Manhattan an, gefolgt von der Vorführung eines Melania-Mockumentary und einer öffentlichen Lesung der Gerichtsakten von Jeffrey Epstein. Wie immer ging es darum, "die Menschen wieder mit ihrer angeborenen Torheit in Kontakt zu bringen" und "das Recht der Öffentlichkeit zu feiern, der Obrigkeit ins Gesicht zu lachen".

Skaggs' Talent für Täuschung beschränkt sich nicht auf die Parade. Zu seinen früheren Streichen gehören die Promi-Samenbank von 1992 – eine gefakte Auktion von Prominenten-Sperma in New York – und das Freudenhaus für Hunde aus den 1980ern, ein angebliches Bordell für Haustiere in Greenwich Village. 2008 inszenierte er sogar eine "Aprilscherz-Parade mit Finale" – einen selbstreferenziellen Scherz, der seine eigene Tradition auf die Schippe nahm. Jede Aktion sollte testen, wie weit Medien gehen würden, um über etwas Absurdes, aber Plausibles zu berichten.

Die Idee, die Presse hereinzulegen, ist nicht neu. 1985 veröffentlichte Sports Illustrated eine inzwischen legendäre Aprilscherz-Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, ein angebliches Pitching-Talent der Mets mit einem 270 km/h schnellen Wurf und einer mysteriösen tibetischen Vergangenheit. Der Artikel beschrieb Finch als exzentrisches Genie mit bizarre Trainingsmethoden. Erst später enthüllte das Magazin die Wahrheit: Finch war frei erfunden – eine Kreation des Reporters George Plimpton. Der Streich ging als einer der berühmtesten Medien-Schwindel in die Geschichte ein.

Jahrzehnte später zieht Skaggs' Parade nicht nur Zuschauer, sondern auch ahnungslose Mitwirkende an. Schul-Marschkapellen sind bereits entlang der Strecke aufgetreten, und Fernsehteams haben das Chaos dokumentiert – oft, ohne zu merken, dass sie selbst Teil des Scherzes waren. Für Skaggs bleibt die Veranstaltung ein soziales Experiment, das untersucht, warum Menschen glauben, was sie glauben, und wie schnell die Grenze zwischen Wahrheit und Absurdität verschwimmen kann.

Seit 1986 hält die Parade stand, verbindet Jahr für Jahr Satire mit Spektakel. Sie ist zugleich eine Feier der Narrheit und eine Mahnung, wie leicht sich Medien – und die Öffentlichkeit – in die Irre führen lassen. Mit jedem April bleibt Skaggs' Tradition ihrem Kernzweck treu: Leichtgläubigkeit zu entlarven, einen überdrehten Wagen nach dem anderen.

Quelle