Mönchengladbach kämpft um Ganztagsbetreuung trotz Millionenkosten und Förderlücken
Noah MayerMönchengladbach kämpft um Ganztagsbetreuung trotz Millionenkosten und Förderlücken
Mönchengladbach treibt trotz steigender Kosten und begrenzter Landesförderung die Pläne zum Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder voran. Bis zum Schuljahr 2026/27 soll das Angebot 75 Prozent der Erstklässler abdecken – dafür werden über 1.300 neue Plätze benötigt. Die Stadt warnt jedoch vor einer finanziellen Belastung von mehr als einer Million Euro, da jeder Betreuungsplatz monatlich über 1.000 Euro kostet.
Mönchengladbach geht in Nordrhein-Westfalen mit der Einführung der Ganztagsbetreuung für die Jahrgänge eins bis vier voran. Bestehende Schüler in offenen Ganztagsschulen (OGS) behalten ihre Plätze, sodass für ältere Jahrgänge keine Einschränkungen drohen. Um den Bedarf zu decken, muss die Stadt zusätzliches Personal einstellen sowie bestehende Einrichtungen umbauen oder neue bauen – darunter die laufende Umgestaltung der Annaschule.
Doch der Plan stößt auf Widerstand. Lokale Behörden kritisieren, dass die Landesförderung bei Weitem nicht die tatsächlichen Kosten deckt und die Kommunen den Großteil der Last tragen müssen. Die endgültige Entscheidung über den Ausbau der OGS-Plätze fällt am 4. März im Stadtrat.
Mönchengladbach ist mit seinen Problemen nicht allein. Rund ein Drittel der Grundschulleitungen in der Region hält den gesetzlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung für undurchführbar – wegen fehlender Infrastruktur und unklarer Zuständigkeiten. Neun Städte, darunter Aachen, Düsseldorf und Köln, haben sogar Klage eingereicht. Sie verweisen auf unzureichende Finanzierung, hohe Ausgaben und fehlende Qualitätsstandards als zentrale Hürden.
Falls der Ausbau beschlossen wird, entstehen bis 2026 insgesamt 1.310 neue Ganztagsplätze. Die Stadt betont, dass keine aktuellen Schüler ihren Platz verlieren werden, doch der finanzielle Druck bleibt bestehen. Da die Landesmittel mit den wachsenden Kosten nicht Schritt halten, könnte Mönchengladbachs Vorstoß für eine flächendeckende Betreuung entweder Maßstäbe setzen – oder die tiefgreifenden Systemprobleme noch deutlicher offenbaren.