12 December 2025, 00:02

Marls Haushalt 2026: Defizit schrumpft – doch die Krise bleibt

Eine Stadtansicht mit einer Straße voller Autos unten, flankiert von Gebäuden und Wolkenkratzern auf beiden Seiten, unter einem Himmel oben.

Marls Haushalt 2026: Defizit schrumpft – doch die Krise bleibt

Haushalt 2026: Defizit sinkt – strukturelle Probleme bleiben

**Vorgelegt: Der Haushaltsentwurf für 2026 zeigt eine bessere Bilanz als erwartet – doch die Finanzlage bleibt angespannt. Das geplante Defizit liegt bei 70 Millionen Euro, 18 Millionen weniger als noch vor einem Jahr prognostiziert. Bürgermeister Thomas Terhorst sprach von einem "kleinen Schritt nach vorn", warnte aber vor einer "nach wie vor extrem angespannten Haushaltslage".

11. Dezember 2025

In Marl haben die Beratungen zum Haushalt 2026 begonnen – mit einer erwarteten Lücke von 70 Millionen Euro. Hauptgründe sind sinkende Gewerbesteuereinnahmen und steigende Ausgaben, etwa im Bereich Jugendhilfe. Bürgermeister Thomas Terhorst (parteilos) rief alle Fraktionen zur Zusammenarbeit auf, um Lösungen zu finden.

Für das kommende Jahr rechnet die Stadt mit Einnahmen in Höhe von 339 Millionen Euro, den Ausgaben stehen jedoch 417 Millionen gegenüber. Ein zentraler Faktor ist der Rückgang der Gewerbesteuer, die nun mit 37,1 Millionen Euro veranschlagt wird – deutlich weniger als in den Vorjahren. Grund sind die anhaltenden Probleme der chemischen Industrie und die schwache Konjunktur in der gesamten Republik. Trotz Einsparungen von 8 Millionen Euro bleibt ein Fehlbetrag von 70 Millionen, immerhin 18 Millionen weniger als in früheren Prognosen.

Die Ausgaben für Jugendhilfe stiegen um 6,5 Millionen Euro an, ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist. Zur Entlastung erhält Marl aus dem NRW-Sondervermögen über zwölf Jahre hinweg 38,2 Millionen Euro. Damit sollen höhere Sozialausgaben und Steuerausfälle ausgeglichen werden. Zudem muss die Stadt im Rahmen des nordrhein-westfälischen Entschuldungsprogramms 25 Millionen Euro an Liquiditätskrediten an das Land abführen.

Die Steuerhebesätze bleiben vorerst unverändert. Eine Anpassung der Grundsteuer wird geprüft, doch zunächst wartet die Verwaltung auf rechtliche Klarheit. Gleichzeitig erfordern dringende Investitionen – etwa in Schulmodernisierungen und Gebäudesanierungen – zusätzliches Personal und Mittel.

An den Verhandlungen beteiligen sich CDU, SPD, Grüne, FDP und Die Linke. Terhorst appellierte an alle Fraktionen, gemeinsam eine tragfähige Lösung zu erarbeiten.

Der Haushalt 2026 stellt Marl vor schwierige Entscheidungen. Bei sinkenden Steuereinnahmen und wachsenden Aufgaben muss die Stadt ihre Mittel gezielt einsetzen. Das Ergebnis der Beratungen wird maßgeblich prägen, welche Leistungen und Projekte im kommenden Jahr umgesetzt werden können.