Linksextremismus in NRW: Wie sich die Szene radikalisiert und verändert
Charlotte SimonLinksextremismus in NRW: Wie sich die Szene radikalisiert und verändert
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat eine neue Einschätzung zur Bedrohung durch linksextremistische Strömungen in der Region vorgelegt. Der Bericht zeigt auf, wie sich die Szene verändert: Während einige Gruppen interne Krisen durchleben, gewinnen andere an Einfluss. Besonders beleuchtet wird das "Angry Birds Command", ein Sabotagenetzwerk mit Verbindungen zur anarchoprimitivistischen Ideologie.
Im Mittelpunkt der Analyse steht die Gruppe "Angry Birds Command", die vor allem Eisenbahninfrastruktur ins Visier nimmt. Ihre Angriffe richten sich gegen die industrielle Gesellschaft und zielen darauf ab, die Vorherrschaft der Natur über menschliche Systeme wiederherzustellen. Seit 2023 gab es in NRW jedoch keine bestätigten Anschläge dieser Gruppe.
Die Sachbeschädigungen mit linksextremistischem Hintergrund sind drastisch angestiegen – von 2024 auf 2025 mehr als verdoppelt. Viele Vorfälle betrafen allerdings die Zerstörung rechtsextremer Wahlkampfmaterialien statt großangelegter Sabotageakte. Gleichzeitig verlieren postautonome Netzwerke wie die Interventionistische Linke oder ums Ganze! an Bedeutung, während orthodox-kommunistische Strömungen an Zulauf gewinnen.
Reuls Auswertung thematisiert auch den "Budapester Komplex", einen Fall mit laufenden juristischen Verfahren, als Beispiel für die Radikalisierungsgefahr in linksextremen Kampfsportgruppen. Der Bericht skizziert zudem die historischen Wurzeln von Marxismus-Leninismus, Trotzkismus und Anarchismus, um aktuelle Bedrohungsszenarien einzuordnen. Trotz der Zunahme extremistischer Tendenzen gibt es demnach keine Hinweise auf einen Übergang zu organisiertem "Linksterrorismus".
Die Einschätzung zeichnet ein komplexes Bild des Linksextremismus in Nordrhein-Westfalen: Zwar nehmen Sachbeschädigungen zu, doch steht weniger eine direkte terroristische Wende im Fokus als vielmehr ideologische Verschiebungen. Die Behörden beobachten Gruppen wie das "Angry Birds Command" weiterhin im Rahmen der allgemeinen Sicherheitsvorsorge.






