Kunstakademie Düsseldorf: Rektorin unter Rücktrittsdruck nach Antisemitismus-Vorwürfen
Felix SchneiderKunstakademie Düsseldorf: Rektorin unter Rücktrittsdruck nach Antisemitismus-Vorwürfen
Die Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie, Donatella Fioretti, gerät zunehmend unter Druck, von ihrem Amt zurückzutreten, nachdem eine Petition über 700 Unterschriften gesammelt hat. Die Kampagne wird vom Düsseldorfer Oberbürgermeister und Vertretern der jüdischen Gemeinde unterstützt und folgt auf eine Kontroverse um eine Veranstaltung mit einer palästinensischen Künstlerin an der Akademie Anfang dieses Jahres.
Die auf Change.org veröffentlichte Petition wurde von prominenten Persönlichkeiten unterzeichnet, darunter Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller und Oded Horowitz, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde der Stadt. Darin wird Fioretti vorgeworfen, sie habe es versäumt, die Akademie klar von antisemitischen Narrativen zu distanzieren, und es wird eine sichere Umgebung für Studierende gefordert. Kritiker werfen ihr vor, sie habe sich nicht deutlich genug von der Verherrlichung von Gewalt oder Terrorismus distanziert.
Der Streit begann im Februar 2026, als die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif zu einem Vortrag an die Akademie eingeladen wurde. Zionistische Gruppen und Persönlichkeiten wie Mona Neubaur verurteilten die Veranstaltung, was zu Drohungen und einer teilweisen öffentlichen Abschottung führte. Trotz der Kritik fand die Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – ohne dass es Berichte über antisemitische Vorfälle gab. Fioretti verteidigte die Entscheidung und verwies auf die Unterstützung durch den Großteil des Lehrkörpers und der Studierenden.
Fioretti wehrt sich gegen die Rücktrittsforderungen und betont, dass "Cancel Culture hier keinen Platz hat". Sie pocht auf die Meinungsfreiheit und vergleicht die Situation mit jüngsten Kontroversen bei der Berlinale und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, bei denen palästinensisch engagierte Künstlerinnen unter dem Vorwurf des Antisemitismus Zensur erfahren hätten. Die Akademie hat inzwischen ein Beratungssystem eingeführt, um Diskriminierung entgegenzuwirken, und versichert, dass sowohl Antisemitismus als auch antipalästinensischer Rassismus nicht toleriert werden.
Befürworter der Petition argumentieren, Fiorettis Haltung untergrabe das Vertrauen in das Engagement der Institution gegen Antisemitismus. Die Debatte spiegelt die größeren Spannungen in deutschen Kultureinrichtungen wider, wo es um die Abwägung zwischen künstlerischer Freiheit und politischen Sensibilitäten geht.
Die Akademie hält an ihrer Position zur akademischen Freiheit fest, während die Petition weiterhin Unterstützung findet. Fioretti bleibt vorerst im Amt, doch die Kontroverse zeigt die anhaltenden Gräben in der Diskussion über Zensur und Diskriminierung in kulturellen Institutionen auf. Das neu eingeführte Beratungssystem der Akademie soll diese Bedenken in Zukunft angehen.