Klöckner & Co wechselt für 80 Prozent Aufschlag in US-Besitz
Deutscher Stahlhändler Klöckner & Co soll unter US-Besitz wechseln
Nach einer Übernahmevereinbarung mit dem in Ohio ansässigen Stahlunternehmen Worthington Steel steht der deutsche Stahlhändler Klöckner & Co vor einem Eigentümerwechsel in die USA. Der im Januar 2026 bekannt gegebene Deal bewertet das Unternehmen mit 11 Euro pro Aktie – ein Aufschlag von 80 Prozent gegenüber dem Aktienkurs nur wenige Wochen zuvor. Die Übernahme soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen und der Zustimmung der Aktionäre.
Klöckner & Co hatte in den vergangenen Jahren mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen. Zwischen 2021 und 2025 sank der Umsatz von 6,5 Milliarden auf 5,5 Milliarden Euro, ein Rückgang von etwa 10 bis 15 Prozent. Bis 2025 fiel der Jahresumsatz weiter auf 6,4 Milliarden Euro, was einem Minus von 4 Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht. Trotz dieser Schwierigkeiten verzeichnete das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Anstieg des Betriebsergebnisses um 25 Prozent, schloss aber dennoch mit einem Nettoverlust von 53 Millionen Euro ab.
Die Marktposition von Klöckner & Co hat sich im Vergleich zu Konkurrenten wie Voestalpine und ArcelorMittal verschlechtert. Während Voestalpine stabile Umsätze zwischen 7 und 8 Milliarden Euro hielt und eine Marktkapitalisierung von knapp 3 Milliarden Euro aufwies, steigerte ArcelorMittal seinen Umsatz auf über 60 Milliarden Euro bei einem Börsenwert von rund 20 Milliarden Euro. Die Marktkapitalisierung von Klöckner & Co hingegen rutschte unter 500 Millionen Euro, belastet durch Überkapazitäten, Inflation und schwache Nachfrage.
Ursprünglich erforderte das Übernahmeangebot von Worthington Steel eine Mehrheit der Aktionärsstimmen, doch die Annahmegrenze wurde später auf 57,5 Prozent gesenkt. Zudem wurde die Frist verlängert, sodass der Deal nun als so gut wie sicher gilt. Laut Vereinbarung bleibt Klöckner & Co vorerst als eigenständige Tochtergesellschaft erhalten, und das aktuelle Führungsteam bleibt vorerst im Amt. Das Unternehmen wird seine europäischen Geschäfte weiterhin von Düsseldorf aus steuern, plant jedoch den Verkauf seiner Tochter Becker Group, die im Ruhrgebiet rund 650 Mitarbeiter beschäftigt.
Mit der Übernahme wechselt Klöckner & Co in amerikanischen Besitz, behält aber seinen europäischen Hauptsitz in Düsseldorf. Die Belegschaft von etwa 6.500 Mitarbeitern bleibt weitgehend unverändert – abgesehen vom geplanten Verkauf der Becker Group. Nach Abschluss der Transaktion markiert der Deal eine bedeutende Wende für einen der ältesten Stahlhändler Europas.






