Kim de l'Horizons preisgekrönter Roman erobert die Berliner Bühne
Felix SchneiderKim de l'Horizons preisgekrönter Roman erobert die Berliner Bühne
Kim de l'Horizons preisgekrönter Debütroman feiert nun mit ausverkaufter Premiere seine Bühnenadaption. Am Dienstagabend hatte die Inszenierung im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg Premiere. Drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – verleihen der genderfluiden Erzählfigur Leben in einer Geschichte über Trauma, Identität und Heilung.
Der Roman begleitet Kim auf einer Reise durch Sex, Nachtleben und Selbstfindung, ausgelöst durch die Dating-App Grindr. Doch die Suche geht tiefer: Sie enthüllt eine Familiengeschichte, geprägt von transgenerationalem Leid. Zwangsabtreibungen, Massenvergewaltigungen und verlorene Kinder treten zutage, als Kim die mütterliche Blutlinie nachverfolgt.
Die Handlung beginnt mit dem allmählichen Vergessen der Großmutter, das Kim zurück in einen Schweizer Vorort führt – an den Ort einer Kindheit unter dem Schatten eines Blutbuchenbaums. Dieser Baum wird zum Zufluchtsort, der Widerstand gegen aufgedrängte Namen lehrt und Verwandlung ermöglicht. Auf der Bühne hängen zerrissene beige Strumpfhosen von der Decke, mit Sand und Bällen beschwert – ein visuelles Symbol für die Last und Befreiung, die den Roman durchziehen.
Kims Auftrag ist klar: das Schweigen über Scham brechen und in Selbstakzeptanz verwandeln. Der 2022 mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnete Roman erreicht nun in neuer Form ein Publikum – eine Mischung aus schonungslosem Erzählen und eindringlichen Bühnenszenen.
Die Premiere markiert einen weiteren Meilenstein für Kim de l'Horizons bahnbrechendes Werk. Die Bühnenfassung bringt ihre tief persönliche Auseinandersetzung mit Geschlecht, Trauma und Zugehörigkeit direkt zum Publikum. Mit ausverkauften Vorstellungen bestätigt die Inszenierung, dass der Roman nicht nur Leser:innen, sondern nun auch Theaterbesucher:innen nachhaltig berührt.






