10 February 2026, 18:03

Jacques Tilly trotzt Putins Zorn mit neuem Karnevalswagen in Düsseldorf

Ein buntes Plakat an einer Gebäudewand, das ein Karnevalsfest in Mexiko ankündigt und Cartoon-Bilder und Text enthält.

Kölner Karnevalisten verteidigen Fehlen von Putin-Schaukel - Jacques Tilly trotzt Putins Zorn mit neuem Karnevalswagen in Düsseldorf

Ein langjähriger Rechtsstreit zwischen russischen Behörden und dem deutschen Karnevalskünstler Jacques Tilly hat eine neue Wendung genommen. Der in Düsseldorf ansässige Künstler sieht sich in Moskau mit strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert – wegen satirischer Wagen, die Präsident Putin und das russische Militär auf die Schippe nehmen. Trotz der Anklagepunkten bleibt Tilly entschlossen, seine Arbeit fortzusetzen.

Beim diesjährigen Kölner Karneval wird sein neuestes Werk – ein Putin-Motivwagen – zu sehen sein, allerdings nur beim Düsseldorfer Umzug, da die Kölner Veranstalter darauf verzichtet haben, ihn in ihr eigenes Programm aufzunehmen.

Der Streit begann mit früheren Entwürfen Tillys, die russische Beamte als Verbreitung von "Falschinformationen" über das Militär und als Beleidigung Putins anprangern. Ein Wagen zeigte Patriarch Kirill kniend vor dem Präsidenten – was zu Vorwürfen der Verunglimpfung staatlicher Institutionen und der Verletzung religiöser Gefühle führte. Im Januar 2026 wurde der Moskauer Prozess gegen Tilly erneut verschoben, diesmal auf den 26. Februar, da Zeugen fehlten. Der Künstler wurde offiziell nicht informiert und nahm an keiner Verhandlung teil.

Der Kölner Karnevalsdirektor Marc Michelske verteidigte die Entscheidung, den Putin-Wagen vom diesjährigen Rosenmontagszug auszuschließen. Er betonte jedoch, dass ein solches Motiv nach wie vor notwendig sei – nur nicht in Köln. Stattdessen wird Tillys Werk beim Düsseldorfer Umzug präsentiert. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Kölner Karnevalsvereins, unterstützte diesen Schritt und argumentierte, dass künstlerische Freiheit nicht zum Schweigen gebracht werden dürfe.

Neben Putin werden beim diesjährigen Kölner Karneval auch andere politische Persönlichkeiten thematisiert, darunter der ehemalige US-Präsident Donald Trump sowie die Spannungen innerhalb der deutschen Ampelkoalition. Tilly selbst hat aufgrund der russischen Vorwürfe Reisebeschränkungen auferlegt bekommen, besteht aber darauf, dass der juristische Druck seine satirische Arbeit nicht stoppen werde.

Das Strafverfahren gegen Tilly bleibt weiterhin ungelöst; die nächste Moskauer Verhandlung ist für Ende Februar angesetzt. Sein Putin-Wagen wird beim Düsseldorfer Umzug zu sehen sein, während die Kölner Veranstalter andere Ziele für ihren Zug gewählt haben. Der Künstler arbeitet unterdessen weiter – trotz der anhaltenden juristischen Drohungen aus Russland.