24 December 2025, 16:10

Italienische Zwangsarbeiter: Wie das NS-Regime Zehntausende ausbeutete und internierte

Screenshot einer Facebook-Seite mit sechs Profilbildern von Männern und Frauen oben und Textinhalt auf der linken Seite.

Italienische Zwangsarbeiter: Wie das NS-Regime Zehntausende ausbeutete und internierte

Zwischen den späten 1930er-Jahren und 1945 kamen Zehntausende Italiener nach Deutschland – zunächst als Saisonarbeiter, später als Industriearbeitskräfte. Zwar wurden sie anfangs wegen ihrer Fähigkeiten willkommen geheißen, doch ihre Situation verschlechterte sich nach 1943 dramatisch, als viele unter der NS-Herrschaft zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Ihre Erlebnisse spiegeln ein komplexes Geflecht aus wirtschaftlicher Not, politischen Umbrüchen und Ausbeutung während der Kriegsjahre wider.

Vor den 1930er-Jahren blieb die italienische Migration nach Deutschland gering. Sprachbarrieren, wirtschaftliche Instabilität und die chaotischen Verhältnisse in der Weimarer Republik hemmten größere Wanderungsbewegungen. Das änderte sich 1937, als Deutschland einen Mangel an polnischen Landarbeitern verzeichnete und sich an Rom um Unterstützung wandte. Bald füllten Italiener Lücken in der Landwirtschaft und später in der Industrie.

Bis 1941 benötigte das NS-Regime rund 300.000 zusätzliche Arbeitskräfte, um seine Kriegswirtschaft aufrechtzuerhalten – besonders nach dem Überfall auf die Sowjetunion. Italiener wurden zu einer wichtigen Quelle für Arbeitskräfte, angeworben für Fabriken und Bergwerke. Die meisten waren Männer, doch auch Frauen brachen traditionelle Geschlechterrollen auf und arbeiteten etwa in der Textilindustrie. Die Lage spitzte sich nach dem Waffenstillstand Italiens im September 1943 weiter zu. Über 600.000 italienische Soldaten in Deutschland wurden zu "Italienischen Militärinternierten" (IMI) umklassifiziert. Ihnen wurden die Rechte nach der Genfer Konvention entzogen, und sie wurden in Lager wie das Lager Fullen in der Emsland-Region deportiert. Dort litten sie unter Zwangsarbeit, die kaum weniger hart war als die der sowjetischen Kriegsgefangenen.

Nicht alle Italiener wurden interniert. Manche blieben freiwillig – aus wirtschaftlichen Gründen oder weil sie der faschistischen Ideologie anhingen. Andere, obwohl sie als Verräter gebrandmarkt wurden, mussten in kriegswichtigen Industrien arbeiten. Ihre Behandlung zeigte die Spannungen zwischen den politischen Bündnissen des NS-Regimes, dessen rassistischer Politik und dem verzweifelten Bedarf an Arbeitskräften.

Nach dem Krieg entschied sich eine kleine Zahl Italiener, in Deutschland zu bleiben. Ihre Motive waren vielfältig: Manche suchten wirtschaftliche Chancen, andere hielten weiterhin an faschistischen Überzeugungen fest.

Die Geschichte der Italiener in Deutschland während dieser Zeit verdeutlicht die sich wandelnden Dynamiken von Arbeit, Politik und Überleben unter der NS-Diktatur. Viele wurden als Zwangsarbeiter ausgebeutet, eine Minderheit blieb aus freien Stücken. Ihre Schicksale bleiben ein eindringliches Beispiel dafür, wie Krieg und Ideologie das Leben in ganz Europa prägten.