Islamischer Religionsunterricht stärkt Demokratieverständnis junger Muslime in NRW
Charlotte SimonIslamischer Religionsunterricht stärkt Demokratieverständnis junger Muslime in NRW
Eine neue Studie der Universität Münster zeigt, dass der islamische Religionsunterricht (IRU) in Nordrhein-Westfalen Schülerinnen und Schüler in zentraler Hinsicht fördert. Die Forschungsergebnisse unterstreichen, wie das Programm demokratische Werte stärkt und jungen Muslimen hilft, Glauben und moderne Gesellschaft in Einklang zu bringen. Landesvertreter werten die Befunde nun als überzeugendes Argument, den IRU an weiteren Schulen einzuführen.
Nordrhein-Westfalen bietet den IRU derzeit an 247 von rund 5.400 Schulen an und erreicht damit etwa 32.000 Schülerinnen und Schüler. Damit ist das Land unter den elf Bundesländern mit entsprechenden Programmen der größte Anbieter – doch die Abdeckung bleibt begrenzt. Bundesweit nehmen im Schuljahr 2024/25 mindestens 81.000 muslimische Kinder am islamischen Religionsunterricht teil.
Die Studie belegt, dass Schülerinnen und Schüler im IRU ein offeneres und reflektierteres Islamverständnis entwickeln. Längere Teilnahme führt zu besserer religiöser Bildung und verringert starre oder dogmatische Ansichten. Die meisten Jugendlichen beschreiben den Unterricht als relevant, ansprechend und bereichernd.
Ein zentrales Ergebnis ist die Rolle des Programms bei der Abwehr schädlicher Online-Einflüsse. Hohe Exposure mit bestimmten religiösen Inhalten auf Plattformen wie TikTok steht oft mit rückwärtsgewandten Überzeugungen in Verbindung. IRU-Schülerinnen und -Schüler sind jedoch besser darin, polarisierende oder falsche Informationen zu erkennen und abzuwehren.
Bildungsministerin Dorothee Feller begrüßte die Ergebnisse und bezeichnete den IRU als unverzichtbar für eine vielfältige Gesellschaft. Sie betonte die Notwendigkeit eines breiten Zugangs und verwies darauf, dass derzeit nur ein Bruchteil der rund 500.000 muslimischen Kinder im Land davon profitiert. Der Bericht empfiehlt, den Unterricht mit mehr Lehrkräften, verbesserten Lehrplänen und stärkerer organisatorischer Unterstützung auszubauen.
Die Evaluation der Universität Münster bestätigt, dass der IRU demokratische Werte und religiöses Verständnis bei Schülerinnen und Schülern festigt. Angesichts der deutlich höheren Nachfrage als des aktuellen Angebots wächst nun der Druck, das Programm auszuweiten. Eine Expansion würde mehr qualifiziertes Personal, aktualisierte Materialien und eine koordinierte Einführung an allen Schulformen erfordern.