Hunderte protestieren in Bonn gegen sexualisierte Gewalt und fordern mehr Schutz
Felix SchneiderHunderte protestieren in Bonn gegen sexualisierte Gewalt und fordern mehr Schutz
Hunderte Menschen gingen am Sonntag in Bonn auf die Straße, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren. Die Demonstration folgte einem größeren Marsch in Köln am Vortag, an dem über 5.000 Menschen teilgenommen hatten. Die Veranstalter beschrieben das Thema als tief verankertes Problem in der gesamten Rheinregion.
Bei der Kundgebung in Bonn versammelten sich mehr als 500 Menschen auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus. Ein Bündnis aus Stadtratsparteien – Grünen, CDU, SPD und Volt – hatte die Veranstaltung gemeinsam organisiert. Rednerinnen und Redner forderten Männer auf, sich aktiv gegen frauenfeindliche Einstellungen zu stellen und Verantwortung für die Verhinderung von Gewalt zu übernehmen.
Die Proteste fanden vor dem Hintergrund einer wachsenden öffentlichen Debatte über digitale Gewalt statt. Eine Untersuchung von Der Spiegel aus dem Jahr 2023 hatte Vorwürfe gegen den Schauspieler Christian Ulmen aufgedeckt, dem seine Ex-Frau, die Schauspielerin Collien Fernandes, vorwirft, Deepfake-Technologie für Missbrauch genutzt zu haben. Seither hat das Thema größere Aufmerksamkeit erhalten, verbunden mit Forderungen nach strengeren rechtlichen Schutzmaßnahmen.
Am 20. März 2026 kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) Pläne an, die Herstellung und Verbreitung pornografischer Deepfakes unter Strafe zu stellen. Das Vorhaben zielt darauf ab, rechtliche Lücken zu schließen, bevor eine EU-Frist im Juni 2027 in Kraft tritt. Unterdessen kritisierte Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für schärfere Gesetze zum Schutz von Frauen einzusetzen.
Die Proteste in Bonn und Köln unterstreichen die anhaltenden Sorgen über sexualisierte Gewalt in Deutschland. Während über gesetzliche Änderungen diskutiert wird, wächst der Druck auf stärkere Schutzmaßnahmen. Die Bundesregierung sieht sich nun mit der Forderung konfrontiert, noch vor der EU-Deadline 2027 für Deepfake-Regulierungen zu handeln.






