30 November 2025, 08:04

Glasfaserausbau in Deutschland: Warum die Telekom gegen Abschaltfristen kämpft

Graffiti-bedeckter Zug mit sichtbaren Kabeln, Häuser mit Fenstern im Hintergrund.

Glasfaserausbau in Deutschland: Warum die Telekom gegen Abschaltfristen kämpft

Deutschland steht vor einem seiner größten Infrastrukturprojekte seit Jahrzehnten: dem Ersatz veralteter Kupferkabelnetze durch flächendeckende Glasfaseranschlüsse (FTTH). Die Umstellung soll die Internetgeschwindigkeiten und Stabilität deutlich verbessern – doch Streit über Zeitplan und Kosten hat eine kontroverse Debatte zwischen Regulierungsbehörden, Telekommunikationsunternehmen und Branchenverbänden entfacht.

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat nun Pläne vorgelegt, um den Übergang zu beschleunigen – mit gemischten Reaktionen der Beteiligten.

Der BMDV-Vorschlag zielt darauf ab, den Ausstieg aus den Kupfernetzen zu forcieren, die von vielen als überholt angesehen werden. Wettbewerber wie der Verband Breko und der VATM, die kleinere Anbieter vertreten, begrüßen die Initiative. Sie kritisieren den bisherigen Ansatz der Bundesnetzagentur als zu zögerlich und unwirksam.

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW unterstützt zwar den Glasfaserausbau, pocht aber auf Preisregulierungen und eine Mindestübergangsfrist von 24 Monaten, bevor Kupfernetze abgeschaltet werden. Die Deutsche Telekom lehnt hingegen zwingende Abschaltfristen ab und bezeichnet sie als verfassungswidrig sowie europarechtswidrig. Das Unternehmen argumentiert, sein bestehendes VDSL-Netz biete bereits Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s – eine vorzeitige Stilllegung sei daher unwirtschaftlich.

Breko fordert ein 'allgemeines Initiativrecht', das Glasfaseranbietern ermöglichen soll, die Abschaltung von Kupfernetzen einzuleiten, sobald eine bestimmte Abdeckungsquote erreicht ist – selbst wenn die Telekom Widerstand leistet. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) setzt sich der Verband zudem für Sonderkündigungsrechte ein, um Resellern den Wechsel von Kunden zu Glasfaseralternativen zu erleichtern. Wirtschaftsverbände wie der DIHK und Bitkom warnen jedoch vor überstürzten Schritten: Instabile Verbindungen könnten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährden.

Auch ökologische Bedenken werden ins Feld geführt: Die Telekom argumentiert, eine Abschaltung von VDSL könnte Kunden zwingen, auf Vodafones Koaxialnetze auszuweichen, die fünfmal mehr Energie verbrauchen als FTTH. Bundesnetzagentur und einige Branchenverbände befürworten hingegen eine generelle Begründungsmöglichkeit für den Rückbau von Kupfernetzen – unabhängig von der Haltung der Telekom.

Die Diskussion über den Glasfaserausbau in Deutschland bleibt gespalten. Während die einen auf Tempo drängen, mahnen andere zur Vorsicht, um wirtschaftliche Verwerfungen und rechtliche Konflikte zu vermeiden. Wie schnell das Land die nächste Generation der Internetinfrastruktur einführen wird – und zu welchem Preis –, hängt vom Ausgang dieser Debatte ab.