04 March 2026, 14:29

Gauck warnt vor AfD-Verbot und fordert mehr Engagement für die Demokratie

Ein Plakat für die deutsche Revolution im Jahr 1910, das eine Gruppe von Menschen und eine Krone zeigt, mit Text, der Informationen zum Ereignis enthält.

Former Federal President Joachim Gauck lehnt AfD-Verbotsverfahren ab - Gauck warnt vor AfD-Verbot und fordert mehr Engagement für die Demokratie

Ehemaliger Bundespräsident Joachim Gauck hat sich gegen ein Verbot der rechtspopulistischen AfD ausgesprochen. Stattdessen plädiert er dafür, deren Aufstieg durch politische Debatten und ein stärkeres bürgerliches Engagement zu begegnen. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der die Partei sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland an Zuspruch gewinnt.

Gauck verwies auf tief verwurzelte Unterschiede zwischen den beiden Landesteilen, die durch ihre jeweilige Geschichte geprägt seien.

Besonders besorgniserregend sei der wachsende Zuspruch für die AfD in Ostdeutschland, den Gauck mit den Jahrzehnten autoritärer Herrschaft unter dem SED-Regime in Verbindung bringt. 56 Jahre staatliche Kontrolle hätten es den Bürgern erschwert, demokratische Teilhabe zu verinnerlichen. Im Gegensatz dazu habe Westdeutschland nach der NS-Zeit mehr Menschen hervorgebracht, die mit demokratischen Werten vertraut seien.

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Der ehemalige Bundespräsident stellte zudem fest, dass die AfD inzwischen auch in westdeutschen Regionen an Unterstützung gewinnt – angetrieben von populistischen Strömungen. Er betonte, dass rasche gesellschaftliche Umbrüche und wiederkehrende Krisen bundesweit Unmut schürten. Populismus gedeihe vor allem dann, wenn gewählte Vertreter die Sorgen der Bevölkerung ignorierten.

Die Journalistin Jana Hensel ergänzte, dass sich die Entfremdung von der Demokratie in Ostdeutschland bereits mit den Hartz-IV-Reformen zu Beginn der 2000er-Jahre abzeichnete. Die Wahlbeteiligung sank, und die Frustration wurde während der Flüchtlingskrise 2015 besonders sichtbar. Die Wurzeln der heutigen Spaltung sieht sie jedoch in den wirtschaftlichen Enttäuschungen nach der Wiedervereinigung in den 1990er-Jahren.

Gauck beschrieb die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland als schwächer ausgeprägt, mit weniger engagierten Bürgern und Vereinen. Diese langfristigen Unterschiede, so seine Argumentation, erklären, warum die AfD dort mehr Erfolg habe als im Westen.

Gaucks Aussagen unterstreichen die Notwendigkeit politischer und gesellschaftlicher Antworten auf den Aufstieg der AfD. Ein Parteiverbot, warnt er, würde die tiefer liegenden Ursachen für deren Zulauf nicht beseitigen. Die Debatte dreht sich nun darum, wie die Demokratie in Ost und West gestärkt werden kann.