08 February 2026, 14:04

Fünf Tote in Dortmund: Warum Obdachlosigkeit hier lebensgefährlich wird

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto einer Straßenlandschaft mit einer Tram, Gebäuden, Straßenlaternen, Ampeln und Passanten, mit Text am unteren Rand.

Fünf Tote in Dortmund: Warum Obdachlosigkeit hier lebensgefährlich wird

Fünf obdachlose Menschen sind in diesem Winter in Dortmund gestorben – ein Weckruf für dringenden Wandel. Bei einem Gedenkmarsch sollen die Verstorbenen geehrt werden, während Aktivist:innen bessere Unterstützung und Wohnlösungen für Borussia Dortmund fordern. Die städtische Obdachlosenpolitik steht erneut in der Kritik, nachdem ein Todesfall mit Zwangsumsiedlungen in Verbindung gebracht wurde.

Marlies S., eine ehemalige Sozialarbeiterin, starb, nachdem sie von ihrem Schlafplatz vertrieben worden war. Die Initiative "Schlafen statt Strafen" führt ihren Tod auf Dortmunds strenge Verbote von Obdachlosigkeit im öffentlichen Raum zurück. Unterstützer:innen argumentieren, dass solche Maßnahmen schutzbedürftige Menschen in Lebensgefahr bringen.

Die Gruppe drängt auf grundlegende Reformen: Sie fordert den Ausbau öffentlicher Toiletten, niedrigschwellige Notunterkünfte ohne Zugangsbeschränkungen sowie ganzjährig geöffnete Wärmehallen. Langfristig soll Obdachlosigkeit nicht länger kriminalisiert werden – etwa indem Beförderungserschleichung als Ordnungswidrigkeit statt als Straftat geahndet wird.

Die Dortmunder Polizei betont, sie setze auf einen Ausgleich zwischen Kontrolle und Hilfe. Aktivist:innen bestehen jedoch darauf, dass Wohnraum Vorrang haben muss. Seit 2023 hat die Stadt 150 Notunterkunftsplätze in leerstehenden Gebäuden eingerichtet und plant bis Mitte 2025 den Bau von 80 Modulhäusern. Zudem erhalten 200 ehemalige Obdachlose durch Mietzuschüsse Zugang zu festem Wohnraum; Vermieter:innen, die sich weigern, müssen mit Strafen rechnen. Bis Februar 2026 sollen so über 500 Menschen eine Wohnung finden – finanziert auch durch die Umwidmung von fünf Millionen Euro aus Polizeiovertime-Budgets.

Stefan Cramer, der selbst Obdachlosigkeit erlebt hat, begrüßt die Schritte. Für ihn ist mehr Wohnraum die einzige echte Lösung. Nach Jahren ohne Sicherheit hofft er nun, bald eine eigene Wohnung zu bekommen.

Der Gedenkmarsch wird die menschlichen Kosten der Obdachlosigkeit in Dortmund ins Bewusstsein rufen. Mit den neuen Wohnprogrammen will die Stadt langfristig sichere Perspektiven für Borussia Dortmund schaffen. Doch die Aktivist:innen betonen: Echter Fortschritt bedeutet, obdachlose Menschen würdevoll zu behandeln – und zu verhindern, dass noch mehr Menschen auf der Straße sterben.